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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 407

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 407 (sequence 412)
Language
German
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und mit der großen Haufen lauft, der nicht den todten Buchstaben sklawisch anklebt, der selbst denket, selbst handelt nach Geist des Gesetzes und dessen Absicht und der unter seinen Brüdern wie Phöbus unter den Sternen glänzt. Auch würde ich keinen Anstand genommen haben, wenn ich das Glück gehabt hätte, Euer Hochgräfl. Gnaden selbst in höchst eigener Person zu sprechen, meinen Namen zu nennen. Nur schriftlich scheue ich mich es zu thun. Ich bitte Euer Hochgräfl. Gnaden hirum tausendmal um Vergebung, es ist bloße Schüchternheit, ich fürchte, dieses Schreiben könnte in andere Hände grathen, und nie mag ich mit einem anderen als mit Sie, großer, edler Mann! so freimuthig sprechen, nur bei Ihrem großen Herzen schmeichel ich mir, über villeicht manchen ungeziemenden Ausdruck Verzeihung zu finden. Auch werde ich keinen Anstand nehmen, sobald Euer Hochgräfl, Gnaden in eigener hohen Person zu sprechen sein werden, mich als Schreiber gegenwärtigen Briefs bei Euer Hochgräfl. Gnaden demuthigst zu melden. Noch bitte ich Euer Hochgräfl. Gnaden, wenn meine Muthmaßungen in Ansehung dieser Sekte keinen Beweis finden sollten, mich nie als Verleumder anzusehen. Die Wahrheit ist es, daß solche geheime Gesellschaft ist und manche Verbündung haben. Die Zeitläuften sind leider hiernach, daß man in jede geheime Gesellschaft dieß und jenes siehet, besonders wenn dieß und jenes auch nur die entferntesten Ursachen zum Verdachte Anlaß geben. Schon Klub, schon Gesellschaft ist ein Vergehen gegen den Staat und ich glaube mich verpflichtet, dem großen Wächter des Staates hier einen Fingerzeig geben zu müssen, und derselbe kann nach seiner Einsicht handien. Nun glaube ich auch genug geschwätzt zu haben und alles schon Schlüssen zu müssen. Ich verbleibe mit tiefester Ehrfurcht und ersterbe Euer Hochgräfl. Gnaden gehorsamst-ergebenster Knecht B. Prag den 27 Juni 1799. NS. Dieser Brief Euer Hochgräfl. Gnaden ist mit Fleiß zurückgehalten w orden, um einen Facta angeben zu können, der sich nun auch zugetragen hat. Besagte Malka Porges, die wegen ihres Sohnes wegen so lermte, bewog endlich die Oberjuristen, daß sie um den Sohn schikten und ihm ins Gewissen sprachen. Es wollte nichts fruchten. Da aber die Mutter kam, ihm bath, weinte, um den Hals fiel und mehrmal ihn heftig zuredete, überwand endlich die Natur — weil der Markus Porges sonst ein sehr guter Mensch ist — und er versprach mit Handschlag, daß (er) vier Wochen zu den Jonas Beer WTehle nicht gehen will. Dieses Facta können Oberjuristen nicht abstehen. Warum soll man zu Jonas Beer Wellie nicht gehen? Es wäre freilich auch gut, wenn man die Briefe des Salomon Zerkowitz, welcher von seiner Reise aus dem Reiche noch nicht zurück ist, die er an den Jonas Beer Wehle schreibt, von der Post erhöben könnte und auch jenen, die von hier an den Zerkowitz ergehen, habhaft werde, werde man vielleicht durch diesen Briefwechsel viel erfahren können. Prag den 4. Juli 1799. _ Hoch Gebohrner Reichsgraf! Gnädigster Herr, Herr! Mit der donnerstigen Post werden Euer Hochgräfl. Gnaden ein Paket erhalten haben, worin von einer höchst verdächtigen Gesellschaft die demüthigste Anzeige gemacht wurde und wo ich Euer Hochgräfl. Gnaden den Vorschlag zu Füßen legte, die Schriften bei ihrem Oberhaupte Jonas Beer Wehle habhaft zu werden. Es geschiehet hiemit der unterthänigste Nachtrag, daß zugleich bei dem Low von Hönigsberg und den Gabriel Porges, wo ebenfalls Schriften und Rechnungsbücher zu finden sein sollen, eine Haussuchung geschehen müste. Ich denke, dieses pflichtmäßig nachtragen zu müssen und ersterbe zu sein Euer Hochgräfl. Gnaden ergebenster mit tiefster Ehrfurcht gehorsamster Knecht Prag den 7ten Juli 1799. B. 65 407

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