Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 410)
- Language
- German
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wents-Sekretair Sabah, wurde aber samt seinem Schwager in Robespieres Regierungszeit guilgotinirt. Wie sehr nun dieß alles wahrscheinlich macht, daß der berüchtigte Franc mit französischen Gesellschaften in Verbündlichkeit stand, brauch ich nicht mehr zu erörtern. Nun, Euer Gnaden, urtheilen Sie selbst, wie Erstaunen die ganze israelitische Gemeinde hier ergriff, als man mit Gewißheit erfuhr, daß zeit vierzehn Tagen her, einige von der hiesigen Sekte nach Offenbach reisten, — freilich gaben sie Handlungsgeschäfte vor, bestirnten nur überhaupt ihre Reise nach dem Reich — allein dieß sind würkliche Unwahrheiten. Die Reisende sind Namens Aron Beer Herrsch Wehle und Gabriel Porges. Letzterer ist ein sehr unbemittelter Mann und hat nur eine kleine Rosolie-Handlung. Ersterer ist auch kein gar großer Handlungsmann. Diese zwei berüchtigten und in der ganzen Judenschaft bekannte Zabathe Zebeschen Anhänger reisten zusammen, und ein gewisser Salomon Zercowitz reiste ein par Tage hierauf, unter einen Vorwand, seiner Tochter im Reiche zu besuchen, denselben nach. Keineswegs ist hier würklicher Verrath gegen den geliebten Vaterlande zu vermuthen, denn es wäre ja lächerlich, von einen solchen kleinen Haufen hier etwas unternehmen zu wollen, es ist blos Religions-Schwärmerei, Hoffnung auf Erlösung. Der Umsturz des päbstlichen Throns gab ihren Schwärmereien schon Nahrung gnug. Öffentlich sagten sie, dieses ist ein Zeichen der Näherung von den Mesias, denn hierin bestehet ihr Hauptglauben: Sabathe Zebe war Erlöser, bleibt immer Erlöser, nur immer unter einer anderer Gestallt. Die Eroberungen des General Bonaparts gaben ihre aberglaubigen Lehren Nahrung. Seine Eroberungen in Orient, besonders die Eroberung von Palestine, von Jerusalem, sein Aufruf an die Israeliten ist Ohl auf ihrem Feuer, und hierin, glaubt man, steckt auch die Verbündlichkeit zwischen ihnen und zwischen der Franceschen Gesellschaft. Wie? und was aber? Wer will das wissen? Man hat auch Spuren, daß sie an der Frankischen Gesellschaft sehr viel Geld übersenden. Zu welchem Endzwecke, weiß man ebenfalls nicht. Diese unnutze Geldversplitrung und überhaupt diese Anhänglichkeit an dieser schwärmerischen Sekte hat bereits vor mehr als 5 Jahren eine 20jährige Ehe getrennt. Ein gewisser Simon Eger ist mit einer gwissen Rösel Egerin verheirathet, welche eine Schwester von dem Ionas Beer Wehle ist, der das Oberhaupt der hiesigen Gesellschaft ist. Er Simon Eger wolte diese schwärmerische Anhänglichkeit an ihre Brüder überhaupt nicht zulassen, besonders die Geldabgaben an ihre Kassa. Sein Weib trennte sich lieber von ihrem Manne, als sie von ihren Brüdern ließ, und noch leben selbe separiert, nachdem selbe sehr lange wegen ihrem Vermögen einen Prozes geführt haben. Euer Hochgräfl. Gnaden, es wirft sich hiemit ein Individuum zu Füßen, bittet um Ihrem weitreichenden Arm, um Ihr allsehendes Auge. Noch kann man die Israeliten im keinem Lande Verrätherei gegen ihrem Vaterlande vorwerfen, nie fand man unter Juden Jakobinismus oder sonstige Klubs und geheime Gesellschaften. Leider beschuldigt man diese Nation — und das manchmal mit Recht — Wucher und sonstige unmoralische Handlungen, die aber nur eine Folge des Geizes ist, aber keine grobe Verbrechen kann man solche, gottlob, nicht beschuldigen; soll diese Gesellschaft einen schwarzen Schatten auf die ganze Nation bringen? Zwar, wie gesagt, glaube ich nicht, daß Verrätherei unter sie herrscht. Allein zu was kann nicht Religionswahn bringen? Zu welchen Unternehmungen kann nicht Schwärmerei und Verbündung führen? Unsere Nation hat leider das Schicksal von jeher, daß man die Verbrechen der einzigen gleich der ganzen Nation aufbürdet. Und warum soll die ganze Nation, die gewiß für ihrem Vaterlande warm fühlt, durch die Schwärmerei einiger Abtrünnigen leiden? O, Graf! Mann mit dem warmen Herzen, mit dem Feuerblick und starkem Arm, retten Sie diese Nation, zerstöhren Sie die Anschläge der Bosheit und der Schwärmerei! Noch erlauben Euer Hochgräfl. Gnaden, Hochderoselben nähere Kunde zu geben. Jonas Beer Wehle ist das Oberhaupt der hiesigen Gesellschaft. Bei demselben sind die Zusammenkünfte fast täglich, bei ihm findet man all ihre Geheimnis, all ihre Schriften, er ist der Lehrer, der Führer der ganzen Gesellschaft. Die Gesellschaft bestehet mit Weiber mehr als in 50 Persohnen, selbst auf dem Lande machen 63 405