Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 408)
- Language
- German
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war, hauptsächlichen ihr Vater, der heutigen Tags nebst seiner Familie einer seiner vornehmsten Anhänger ist, folglich von allen wissen konnte. Sie warnte mich also, dasz ich, um mich zu retten, die Flucht ergreifen sollte. Ich beklagte mich alsogleich bei der Obrigkeit, worauf denn auch sogleich vom Herrn Kronkanzler alle Anstalt zur Inquisition gemacht und sehr vieles entdeckt wurde, welches alles bei der Kronkanzlei zu Warschau vorfindig und aufbehalten ist und worauf ich mich berufe. Nach diesem, da der große Tumult in Pohlen entstand, fand Frank Gelegenheit, sich seines Arrestes durch sehr große Intriquen (welche bei der Hauptuntersuchung werden bewundert werden) mittelst denen russischen Truppen zu befreien. Er gienge mit großen russischen Pässen nacher Warschau. Daselbst hielt er sich einige Tage auf und reiste von dort nacher Brünn, wo er heutiges Tages seinen Glauben fortpflanzet. Seine Kutscher, Reitknechte, Bediente, Stallmeistern, Husaren, Uhlanen, kurz alle männlich- und weiblichen Geschlechts, so er bei sich hat, sind getaufte Juden. Alle 14 Tage kommen Männer, Weiber, Söhne und Töchter, die bringen Geld, Pferde und unterschiedliche Geschenke, aber alle diese, die zu ihm kommen, sind getaufte Juden von seiner Sect. Sie küssen ihm die Füße, bleiben einige Täge da, reisen alsdenn ab, es kommen wieder andere, und diese Art von Insecten wächst täglich an. Ich weis, daß meine bloße Worte kein Beweis sein. Ich berufe mich aber erstens auf die Commissionen in Warschau, wo unerhörte Sachen an Tag kommen sind, derlei von Erschafung der Welt her nicht erhört worden ist. Ich werde mich auf keinen Beweis beruften, der nicht in weniger Zeit erforschet werden könnte. Und zweitens will ich den Augenblick wegen der Ehre Gottes und dem größten Nachtheil des Staates mich dem härtesten Gefängnisse überlassen, bis gegenwärtige allerunterhänigst allergehorsamste Anzeige ja noch weit unbeschreiblich mehreres sonnenklar werde bewiesen haben. Es gelanget demnach an Eure Kais. Königl. Apostol. Majestät mein allerunterthänigst-allergehorsamstes Bitten, in Ansehung dieser wichtigsten Sache mich mit dem Jacob Frank hier in Wien confrontiren zu lassen, woraus die Folge wegen allen seinen Verbrechen, wie auch wegen dem mir circa 1000 Ducaten abgenommenen Geld von selbst an Tag kommen wird, ich aber meine bisherige Fehler, die ich alltäglich beweine, durch meine gemachte Entdeckung wieder gut mache, auf welche allerhöchste kais. königl. Gnad mich getröste und allertiefester Erniedrigung ersterbe. Eurer Kais. Königl. Apostolischen Majestät allerunterthänigst allergehorsamster Jakob Galinski. Beilage Ii (Zu Seite 361) Anzeige des Anonymus B. gegen die Prager Frankisten vom Jahre 1799. Hoch- und Wohlgeborner Reichsgraf, Gnädigster Herr, Herr! Freilich sollte man dem großen Manne Erholung und Ruhe gnüssen lassen, freilich sollte man ehrfurchtsvoll zurücktretten und duldend harren, bis der rastlose Staatsmann, der thätiger Menschenfreund und unermüdeter Denker von seinem ländlichen Wohnsitze mit neuen Kräften ausgerüstet in dem Gewühle der Geschäften von selbst zurückkehret. Allein wer kann dafür, wenn nur Er Zutrauen sich erworben, wenn man glauben muß, nur sein Adlerblick siehet, nur sein Geist fasset, nur sein feuriges Bestreben noch Recht vermag dies und jenes auszuführen, wenn also Zeit und Umstände auch verbiethen, dessen Rückkunft zu erwarten, bleibt eine andere Wahl übrig, als Ihm auch mit tiefester Ehrfurcht in seinem filosofischen Aufenthalt zu folgen? Dies, Euer Hochgräfl. Gnaden, ist 61 403