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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 399

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 399 (sequence 404)
Language
German
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IRI
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her die Festung erobert und ihn los gelassen, von damals auch haben sich zu ihm lerre und tolle Menschen vergesellschaftet.44 37 Der Hauptteil unserer Nachrichten ist aus den Resten der Registratur der ehemaligen Prager Stadthauptmannschaft geschöpft, jetzt im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag (Fonds PP). Und das ist auch die einzige amtliche Quelle von Nachrichten zu den religiösen Unruhen im Prager Ghetto vom Jahre 1800. Alle hier erhaltenen Akten sind Beilagen zu dem Gesamtbericht der Stadthauptmannschaft an das böhmische Landesgubernium vom 15. Jänner 1801, der jedoch aus uns unbekannten Gründen nicht abgesandt wurde und in der Registratur bei der Stadthauptmannschaft verblieb. Leider sind bei diesem Akt nicht alle Beilagen verblieben — es müssen mindestens 34 Stück gewesen sein; nur ein kleinerer Teil ist erhalten. Zu welchem Zwecke diese Beilagen ausgehoben wurden und wohin sie gegangen sind, ist mir nicht gelungen festzustellen. In den übrigen Beständen, auch in jenen, welche mit den Akten der Prager Stadthauptmannschaft korrespondierten, findet sich keine Spur von den Prager jüdischen Unruhen. Es ist sehr sonderbar, daß sich z. B. in der Registratur des böhmischen Gubernialpräsidiums in musterhafter Ordnung die Akten über einen verhältnismäßig belanglosen Vorfall gegen den Koliner Frankisten Veit Lichtenberger erhalten haben und daß sich dortselbst über die viel gewaltigeren Prager Ereignisse auch nicht ein Wort findet, ja daß sich nicht einmal in dem Geschäftsprotokoll des Gubernialpräsidiums eine Spur von einer Untersuchung über die Prager Unruhen zeigt. Ich halte dafür, daß die Prager Unruhen von irgendeiner besonderen Kommission, die wohl beim Gubernium errichtet war, untersucht wurden und daß diese Kommission ihre eigene Registratur hatte, die entweder verloren gegangen oder später anderen späteren Akten über die böhmische Judenschaft einverleibt wurde. Aber auch so sind die Reste der erhaltenen Polizeiakten eine sehr wertvolle Quelle, wenngleich sie dem Historiker nicht alles aufzuklären vermögen, was er gern aufgeklärt wüßte, da sie keine tragfähige Achse zur Aufreihung der zeitlichen Abfolge der Ereignisse darbieten. Am wichtigsten darunter ist unstreitig das Protokoll über das Verhör der verhafteten Teilnehmer an den Oktoberunruhen, ferner die uns bereits bekannte Eingabe des Anonymus B. und eine zweite anonyme Eingabe, die unmittelbar nach den Unruhen niedergeschrieben ist, und schließlich die große Anklageschrift Enoch Honigs von Hönigsberg gegen die Prager Rabbiner, besonders gegen Flekeles und Landau als Urheber aller unseliger Vorfälle im Prager Ghetto. Diese Anklageschrift Honigs, die 32 dichtbeschriebene Seiten in Großformat umfaßt, strotzt zwar von unversöhnlichem Hasse gegen die Rabbiner, über die sie die allerschlimmsten Dinge berichtet, aber soweit man ihre sachlichen Angaben mit den amtlichen Erhebungen konfrontieren kann, ist sie eine völlig glaubwürdige Quelle, was wir übrigens später an konkreten Beispielen beweisen werden. 38 Bis hierher nach den Angaben Honigs von Hönigsberg. Die weitere Schilderung der Vorfälle beim Begräbnis ist nach der Relation des Polizeibeamten und nach den Angaben Honigs niedergeschrieben, die sich sachlich fast decken, was sicherlich ein gutes Zeugnis für die Glaubwürdigkeit von Honigs Aussagen ist. 39 Niedergeschrieben nach der Beschwerde des Lowotitz an die Prager Judenvorsteher dd. 11. Oktober 1800. Die Angaben von Lowotitz stimmen mit der Nachricht in der Anzeige des ungenannten aufgeklärten Juden vom 15. Oktober 1800, von der noch später die Rede sein wird, überein. 40 ihr Titel lautet: ,,Schriftliche Meinung aus Gelegenheit jener mit Jakob Tritsch, Sara Hokin und Rosel Tritsch wegen der vom erstem in der Altneuschule — von den beiden letzteren auf öffentlicher Gasse verübten Excessen und wider Juditha Franklin ausgestoßenen Beschimpfungen und Flüche — am 12ten October 1800 angefangenen und am 29ten c. m. d. a. beendigten Untersuchung.44 41 Vgl. Beilage Nr. III. 42 David Friedländer (1750—1834), deutsch-jüdischer Schriftsteller und eifriger Mitarbeiter am Werke der jüdischen Aufklärung im Geiste der Grundsätze :u><)

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