Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 403)
- Language
- German
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forschungen aufzunehmen. Zuerst antwortete der Elbogener Kreishauptmann (die Antwort langte beim Gubernialpräsidium am 11. Juni 1800 ein, ZL 851)» und zwar negativ. Ebenso verneinend fiel aueh etwas später der Bericht des Klattauer Kreishauptmannes aus, in Drosau seien keine Gebrüder Porges aus Prag eingetroffen. — Auch unsere Nachforschungen in der alten Registratur des Prager Magistrates verliefen negativ, so daß wir uns mit der Eintragung im Einreichungsprotokoll des Landespräsidium begnügen müssen. 28 Der Anonymus B. schreibt über diese Verbindung: „Auch gehen alle Wochen von hier nach Kol]in mit denen jüdischen Fuhrleuten die Menschen und Waren alle Woche von daher nach Prag, und von Prag nach Kollin führen ein verwahrtes wohlverschlossenes Kästchen mit, welches die hiesige Gesellschaft an einen gewissen Lichtenberg senden.44 29 In der Familie Porges war z. B. ein Sohn Doktor der Medizin. 30 Vgl. S. H. Lieben, Rabbi Eleazar Flekeles (Jahrbuch der Jüd. Literarischen Gesellschaft, Jg. X, 1912). 31 Zur näheren Zeitbestimmung der Flekelesschen Predigten zitiere ich hier einen Satz aus der bereits genannten Studie von Lieben über Flekeles (S. 19): ,,Die erste Derascha hielt er am 1. der Selichoth-Tage 5559 in der Neuschul, die zweite am 7. Tischri 5560 in der Meiselschul, die dritte am Rüsttag des Neumondes Schewat in der Klaussynagoge." 32 Fischers Druckbewilligung ist gleich neben der Titelseite in Flekeles' Buch eingedruckt; sie lautet: ,,Praesentem concionem sub titulo Ahavas David, quam contra Cabbalä abutentes, et sectatores Pseudo-Messiae, Schabtei Zwi vulgo Schabsei Zwi dicti, recitavit eruditione juxta ac editis scriptis clarus Rabbinus Eleasar Flekeles, aliquando Kogeteinae in Moravia Archisynagogus, nunc Synedrii Pragensis Assessor, omnino dignam iudico, ut typis excudatur. Pragae, 8va Maji 1800. Carolus Fischer." 33 Hier fügte Hönig eine Erklärung für den Polizeikommissär bei: ,,Dieß sind Auszüge moralischen und theologischen Inhalts aus dem Talmud, mit Weglassung alles desjenigen, was juristischen und polemischen Inhalts ist.44 3* Es sind durchwegs Beschuldigungen der gleichen Art, wie sie vor 40 Jahren in Polen gegen die umsichgreifende Lehre Franks erhoben wurden und für die es nur teilweise Beweise gab. In den Predigten von Flekeles gewannen diese frankistenfeindlichen Argumente neues Leben. Hönig übersetzte die Stelle mit den Worten: ,,Diese Menschen sind ärger und weit gottloser als alle Bösewichter und Verbrecher, die je existirt haben, seit die Welt steht bis itzt. Ich will nur ein Theil ihrer bösen und gottlosen, schändlichen Thaten erzählen, nur ein Theil erzählen, wras diese unreine Brut ausübt, was selbst zwischen die Wilden und rohesten Barbaren unerhört ist. Es existirt bei ihnen ein Geheimnis, daß es gut sei, Onanie zu treiben und mit dem ausgelassenen Samenfluß den ganzen Körper zu beschmieren. Dieß sei eine sehr wohlgefällige Handlung, die sie auch wirklich ausüben. Ferner sei es eine sehr gute That, welche sehr anzuempfehlen, seines Nächstens Weib in Beisein von zehn Person(en) zu beschlafen, — und so mehrere Abscheulichkeiten und Unzucht, als z. B. mit Mannspersonen und selbst mit Vieh Unzucht zu treiben, und so mehrere boshafte, gräuliche, thörichte und unmenschliche Handlungen. Sie beten Götzen an, sie befragen Zauberer, ja sie selbst sind in geheimen Künsten erfahren und treiben Zauberei, sind äußerst ausschweifend in Unzucht, sie zaubern, sie huren, sie sind geil. . .44 35 Vgl. S. 394, Anm. Nr. 4. 36 Zu diesem dritten Hirten unreinen Geistes44 erachteten es die Oberjuristen für nötig, in der Klammer eine nähere Erklärung hinzuzufügen, welche von ihrem uns schon bekannten Gegner Hönig von Hönigsberg deutsch mit den Worten interpretiert wurde: welcher vormals die christliche Religion angenommen, nachher aber bezeigt wurde, daß er nicht dessen Gesetze befolgt, sondern zu seinem von selbst erdichteten Frewel-Glauben verleutet und verführt, dann ward er in der Festung Czenstoehow in Verhaft genommen, also er sas, bis daß die Russen nach- 81)8 56