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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 397

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 397 (sequence 402)
Language
German
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IRI
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19 Ist es nicht derselbe Jude, der zwei Jahre später Gast der Familie Wehle zu Prag war? 20 Der Anonymus B. informierte i. J. 1799 die Polizei auch über die Reise von Wehles Söhnen, doch führte diese über Berlin nach Nancy in Lothringen. Über die Ankunft dreier Geschwister Wehle in Offenbach sagten auch die beiden Porges bei ihrem Novemberverhör zu Fürth i. J. 1800 aus. 21 Back, S. 192. 22 Bei ihrer Einvernahme zu Fürth am 24. November 1800 sagten dem erhaltenen Protokolle zufolge die beiden Porges aus: „Am unsern Versöhnungstag A. 560, i. e. Anno 1800 hat der Ruach unerlaubte Gesez- und Menschen widrige Dinge begangen, drei Weibspersonen, worunter die Mendel Jitschins Tochter müssen bei ihm mit allerhand Ceremonien und Vorbereitungen vortreten und in seinem Zimmer bleiben. Die drei Jungen haben müssen mit blosen Gewehr vor der Thür Wache stehen, wobei allerley Unzucht und unbeschreibliche böse Dinge verübet worden, mit der Vorgebung, daß ihm prophetischerweise gesagt worden wäre, so zu thun, damit sie von die üble Schicksals des selbige Jahres befreyet seyn werden. Die Tochter des Mendel Jitschins schrieb hernach an ihren Vater, wie äußerst glücklich sie war, daß sie hierzu gewählt worden,44 Back, S. 192. 23 Über die Praktiken, die mit ihm die Nachfolger Franks trieben, sagten die Gebrüder Porges in Fürth aus: ,,An unsere Fastnacht gab er wegen Leibesauslösung vieles Geld, so eben an die Ostern wegen das Ostern-Lamm. An Sabbath haben sie ihm sein Bart abgeschnitten, dafür hat er eben viel Geld geben müssen. Alles Gold und Silber, so er dahin gebracht, hat er müssen an die Goldschmiede verkaufen, auch Banco-Zetteln, dann eine Obligation von 2000 fl. so er mitbrachte hat er in Beysein diese 2 Kinder von Gabriel Porges, welche mit ihm gegangen sind, bey Herrn Gundard in Frankfurth versetzen müssen, bey welcher Gelegenheit ihm auch die hiesige Herren Königswarther getroffen und gesprochen haben.44 Back, S. 233. 24 Von Zerkowitz' Reisen nach Deutschland wußte auch unser Anonymus B. und schrieb darüber in seiner Anzeige. 25 Den Text dieses ,,roten Flugblattes44, das unter der gesamten europäischen Judenschaft riesige Erregung hervorrief, hat P. Beer im 2. Bande seiner,,Geschichte, Lehren und Meinungen...44 auf S. 329ff. abgedruckt. Nach Graetz ist dieses Flugblatt von Beer selbst ins Deutsche übersetzt worden. Schon diese Behauptung von Graetz genügt für den Nachweis, daß Beer dem damaligen jüdischen Sektenwesen nicht ganz ablehnend gegenüberstand. 26 Back, S. 191. 27 Darüber sind wir aus dem Einreichungsprotokoll des böhmischen Guberniums unterrichtet. Das eigentliche Aktenmaterial ist jedoch leider verschollen. /Im Protokoll lesen wir unter G. ZI. 781 vom 31. Mai 1800 diesen bemerkenswerten ausführlichen Eintrag: ,,Prager Magistrat zeiget an, daß die jüdischen Gebrüder Moyses und Juda (also keineswegs Low!) Borges, zweit- und drittgebohrne Söhne 1 des prager jüdischen Brandweinhändlers Gabriell Lippmann Borges nach Offenbach zu dem dort neu errichteten Klubb oder Gesellschaft, Schapselzwy genannt, ausgewandert sind, und sich dermal, dem sicheren Vernehmen nach, von Offenbach, nebst einigen mitgenommenen Gesellschaftsurkunden entfernt, und nach Drosau im Klattauer Kreise begeben haben. Der Magistrat bittet daher dem Klattauer, und, da auch im elbogener Kreise die Ortschaften Ober- und Unterdrosau liegen, zugleich auch dem elbogener Kreisamte aufzutragen, die Verfügung zu treffen, damit die gedachten jüdischen Gebrüder in Drosau, oder wo sie sich sonst in der dortigen Nachbarschaft etwa aufhalten, aufgesuchet, gehoben und samt allen bei sich habenden Schriften, welche in Beschlag zu nehmen, und zu versiegeln wären, mittels sicheren Schubes an den Magistrat, nach vorläufig mit ihnen aufgenommenen summarischen Verhör über ihre Auswanderung und Geschäfte zu Offenbach und Drosau, befördert werden möchten.44 Das Präsidium des Landesguberniums forderte den Klattauer und Elbogner Kreishauptmann auf, die beantragten Nach- 397

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