Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 401)
- Language
- German
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5 Lieben, Flekeles, S. 18. 6 Das eigentliche Protokoll trägt die Bezeichnung: „Protokoll, aufgenommen vom Rabbinate zu Fürth am 24. und 25. November 1800, entsprechend dem 7. und 8. Kislew 5561 a. m." Es erliegt jetzt im Archiv der Prager israelitischen Kultusgemeinde. Ich danke hier dem Herrn Archivar der Prager israelitischen Kultusgemeinde Dr. S. Adler, daß er es mir bereitwilligst vorgelegt hat. 7 Auf diese Erinnerungen machte erstmalig Dr. Stein aus Prag aufmerksam, der sie im Familienarchiv der Porges von Portheim zu Wien noch bei Lebzeiten des Moses Porges entdeckte und darüber i. J. 1868 in der Zeitschrift „Achwa" (S. 155—160) berichtete. Neu und kritisch herausgegeben wurden diese Erinnerungen mit einer Einleitung von N. M, Gelber unter dem Titel ,,Die Erinnerungen von Moses Porges über den Frankistenhof in Offenbach" (Historische Schriften d. Jüd. Wissensch. Instituts I, 1929). 8 Die anonyme Anzeige ist weiter unten abgedruckt als Beilage II. — Ihr Original erliegt im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag unter den Akten aus dem Präsidium der Prager Stadt hauptmannschaft (PP) v. J. 1800. Den Akt samt den übrigen auf uns gekommenen Schriften über die Prager Frankistenverfolgung v. J. 1800 fand Herr Obersektionsrat Dr. Josef Dostal auf, der sie mir bereitwillig zur Bearbeitung überließ; es gebührt ihm hierfür mein herzlichster Dank. 9 Der Anonymus irrte sich sehr, wenn er behauptete, Frank habe den Namen Frank erst in Brünn zu gebrauchen angefangen und er sei unter dem Eindruck der französischen Revolution angenommen worden. Ebenso irrig ist die Behauptung des Anonymus, die Anziehungskraft des revolutionären Frankreich habe Frank zur Übersiedlung nach Offenbach bewogen. *0 Ihr Verzeichnis liegt der Anzeige als besondere Beilage bei. 11 Höchstwahrscheinlich ist dies Low Enoch Hönig von Hönigsberg, der spätere unermüdliche Sprecher der antirabbinischen Opposition. *2 In der Anklageschrift, die am 9. November 1800 Hönig beim Prager Polizeikommissär Patzelt einbrachte, worin er die Rabbiner religiöser Vergewaltigung und Terrors beschuldigte und die Stadthauptmannschaft um Hilfe gegen sie anrief. Archiv des Ministeriums des Innern in Prag, PP. v. J. 1800. 13 Schon dieser Ausspruch stellt uns Hönig und Wehle als Anhänger der antitalmudistischen Richtung vor; ein Schößling dieser Richtung war auch der Frankismus. 14 An diesen Angaben Honigs und ihrer Glaubwürdigkeit ist kein Anlaß zu zweifeln; sie stammen von einem Manne, der in regem, vertrautem Verkehr mit der Familie Wehle stand, in die er eingeheiratet hatte. *5 Den Namen dieses Dresdner Wehle-Schülers kennen wir in zwei Versionen. Im Fürther Protokolle mit den Gebrüdern Porges heißt er Jonessen, deutsch Jonas Ewinger, während ihn Moses Porges in seinen Erinnerungen als Jonas Hofsinger bezeichnet. 16 Der Anonymus B. nennt ihn nicht mit Namen. Im Verzeichnis der Jitschiner Juden v. J. 1799 habe ich jedoch keinen Wehle aufgefunden. 17 Über die Familienverhältnisse bei Porges vgl. die bereits zitierte Edition der Erinnerungen des Moses Porges von Gelber. Der Verfasser der Erinnerungen (d. i. Moses Porges) spricht auch von einem Aufenthalt Franks in Mähren, aber sehr unbestimmt. So verwechselt er z. B. Franks Aufenthalt in Brünn mit dessen Aufenthalt in Proßnitz, wohin Frank i. J. 1776 gekommen sein soll. Interessant ist auch seine Nachricht, daß im November 1781 Frank vom Kaiser Josef II. und von dem russischen Großfürsten Paul besucht wTorden sei und daß Josef einige Male mit Eva Frank zusammengetroffen sei. Das Detail bei Graetz (Frank und die Frankisten) über ein vertrauteres Verhältnis zwischen Josef II. und Eva halte ich für unwahrscheinlich. 18 Ich danke hier dem Herrn Bibliothekar der Prager israelitischen Kultusgemeinde Dr. Tobias Jakobovits für die gütige Vorlesung dieser in hebräischen Schriftzeichen gedruckten Erinnerungen von Porges. 396 54