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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 392

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 392 (sequence 397)
Language
German
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kommen verarbeitet zu haben. — Die weitere Spezialliteratur, die sich schon mehr auf die Verbreitung des Frankismus in Böhmen bezieht, wird im Verlaufe der Darstellung zitiert werden. — Bei dieser Gelegenheit ist es mir eine angenehme Pflicht, Herrn Dr. T. Jakobovits, Bibliothekar der Israelitischen Kultusgemeinde in Prag, für die mir gewährte Hilfe bei der Orientierung über die ausgedehnte Literatur zum Thema und für die freundliche Beistellung der nötigen Bücher herzlichsten Dank zu sagen. I. JAKOB JOSEF FRANK IN BRÜNN 1 Der Vollständigkeit halber muß hier auf die noch nicht allzulange erschienene Monographie von Josef Kastein ,,Sabbatai Zewi, der Messias von Ismir" (1930) aufmerksam gemacht werden und auf die mehrfache literarische Bearbeitung des sabbatianischen Motivs: auf Wassermanns Roman MDie Juden von Zirndorf" (1897), das Drama von S. Asch ,,Schabbssai Zewi" (1908) und den Roman von Poljakov ,,Sabbatai Zwi" (1926). 2 Zu dem kurzen Lebensbilde Franks wurde die schon früher zitierte Literatur und die bisher unbekannte Anklageschrift des Neophyten Jakob Galinski benützt, die i. J. 1776 der vereinigten böhmisch-österreichischen Hofkanzlei zuging und sich gegen Frank wendet. Die Angaben dieser Anklageschrift ergänzen unsere bisherigen Kenntnisse über Frank und seine Lehre. Zum Beispiel in der Frage über den Geburtsort Franks. Es bestanden darüber nach Franks eigenen Worten Meinungsverschiedenheiten. Galinski schreibt, Frank stamme aus der podolischen Stadt Kurlupke (sie!); das ist eine phonetisch unrichtige Wiedergabe des Ortsnamens Korolöwka. Damit ist ein Argument mehr gegen die Verfechter der Anschauung gewonnen, daß Frank aus dem Dorfe Berezanka stammte. Über Galinski und sein Verhältnis zu Frank soll eingehender im Zusammenhang mit dem eigentlichen Aufenthalte Franks in Brünn gehandelt werden. 3 Galinski schreibt in seiner Anklageschrift gegen Frank, Frank habe sich nach dem Verlassen der Walachei samt seiner Frau und seinem Töchterchen — es war dies wohl seine später so berühmte Tochter und Erbin Eva — in der Stadt Tzerza in der Türkei niedergelassen. Galinski ist jedoch nicht bekannt, daß Frank damals schon Vater von zwei Knaben war, Josef (geb. 1753) und Jakob (geb. 1755). 4 Nach Galinski war sein vollständiger Name Chacham Jakob Frank. Der Name Chacham bedeutete nach der Erklärung Galinskis soviel wie Rabbiner oder der Weise, der Name Frank aber war die damals allgemein übliche Bezeichnung für eingewanderte Juden in der Türkei. Vgl. auch Dubnov, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, Bd. VII, S. 195. 5 Nach Galinski kehrte Frank i. J. 1757 nach Polen zurück. 6 Der in der Beilage angeschlossene Text der Anklageschrift Galinskis bringt neue Details über die religiösen Anschauungen Franks, wie er sie in der ersten Zeit seiner sektiererischen Wirksamkeit in Polen verkündete. 7 Der Inhalt und die Einzelheiten der Disputation zu Kamienec Podolski sind aus der bisherigen Literatur gut bekannt — neuerdings aus der bereits zitierten Arbeit Balabans — und ich halte es darum nicht für angezeigt, hier näher darauf einzugehen. 8 Unser bisher unbekannter Gewährsmann Galinski weiß über diesen Abschnitt im Leben Franks nur sehr wenig. In seiner Anklageschrift erwähnt er bloß kurz die Intervention des Bischofs Dembowski und äußert sich sehr unbestimmt über die Disputation zu Lemberg, zu der er als Franks Parteigänger auch geladen war, aber er nennt das unrichtige Datum 1758. In Lemberg empfing Galinski gemeinsam mit Frank die Taufe; so schreibt er ausdrücklich in seiner Anklageschrift gegen Frank. Hier hat Galinski offenkundig das Gedächtnis bedenklich im Stiche gelassen. Dafür ist seine weitere Nachricht interessant, daß zugunsten Franks in Lemberg unter seinen Gesinnungsgenossen eine große Geldsumme auf- 392 50

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