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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 389

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 389 (sequence 394)
Language
German
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gänzliche Außerlandesschaffung für die Zukunft unschädlich machen dürfte, so entstehet man nicht, die sämtlichen hier anschließigen und journalisirten Acten der Hohen Landesstelle zur Beurtheilung und weitern hohen Veranlassung — vorzulegen/' Da trat jedoch eine unverhoffte Wendung ein. Die Polizeirelation vom 15. Jänner 1801 wurde überhaupt nicht expediert50 und die Oberjuristen blieben auf freiem Fuße. Interessant an der Sache ist, daß — soweit bekannt — in der Registratur des Landesguberniums sich keine einzige Nachricht über die Ereignisse vom Jahre 1800 vorfindet.51 Die Geschichte bleibt für den Geschichtsforscher unvollendet, ihr Schluß verliert sich ins Unbekannte. Und Vermutungen über die Ursachen anzustellen, ist für den Historiker mißlich. Aus der weiteren Entwicklung sehen wir, daß sich die Stimmung unter der Prager Judenschaft beruhigte, daß die geheimen Frankisten äußerlich in Ruhe gelassen wurden — und so fehlen über ihre weiteren Schicksale Nachrichten. Ein kleines Gegenstück zu den Prager Verhältnissen finden wir im Jahre 1800 und 1801 in Kolin. Schon aus dem voranstehenden Bericht wissen wir, daß hier der Hauptpropagator des Frankismus Veit Lichtenberg war, der in stetem Verkehr mit seinen Glaubensgenossen in Prag stand. Durch das Verdienst von S. Back52 sind wir über das freiwillige Verhör eines Koliner frankistischen Juden vom Jahre 1800 unterrichtet. Das Verhör leitete der Koliner Rabbiner Eleazar Kallir im Beisein des gelehrten Nissan Schidlow. Der einvernommene Jude bekannte, in Offenbach gewesen zu sein, er sagte über Franks Religion und Grundsätze aus. Leider gibt uns Backs Edition den Namen dieses einvernommenen Juden nicht an, weil ihn der Herausgeber absichtlich unterdrückt hat. Lichtenberg war es wohl nicht, denn nach seinem reumütigen Bekenntnis hätten wohl die Koliner Rabbiner den Kampf gegen ihn kaum in der Weise fortgesetzt, wie ihn uns der bekannte Sprecher der verfolgten Frankisten Hönig von Hönigsberg geschildert hat.53 Veit Lichtenberg unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den Prager Frankisten und hatte dafür schwer zu leiden. Die Anschuldigung wegen Ketzerei, welche die Rabbiner gegen ihn erhoben, wurde auch auf seinen Bruder Jakob, einen Kriegsinvaliden, erstreckt und dieser verspürte am meisten die Ungnade der Rabbiner. Als seine Frau am 4. Feber 1801 einem Sohn das Leben schenkte, verweigerten die Koliner Rabbiner ihre Mitwirkung an der Beschneidung und erklärten, es sei das Kind eines Ketzers. Veit Lichtenberg nahm sich des Bruders an und ersuchte Hönig um Intervention. Hönig verfaßte neuerdings eine Anklageschrift an den Prager Stadthauptmann, wiederholte darin seine älteren Argumente gegen die Rabbiner und forderte Genugtuung für diese neue Art religiöser Persekution. Graf Chorinsky bediente sich des Falles, um das Gubernium (am 47 389

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