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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 387

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 387 (sequence 392)
Language
German
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IRI
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gehenden Schilderung übergangen haben, weil wir nicht in der Lage waren, sie durch andere Quellen zu beglaubigen. Nun sollen die interessantesten mitgeteilt wrerden. Es sind dies vor allem persönliche Erlebnisse Honigs und die Folgen von Verfolgung, die er an sich verspürt hat. „Was das Verfahren der Oberjuristen für Zerrüttung in unsere häusliche Glückseligkeit und unser Familienglück überhaupt angerichtet haben, dieß vermag meine schwache Feder unmöglich (zu) beschreiben.4' Und dabei tut er sich an anderer Stelle noch etwas darauf zugute, daß er im Hinblick auf die Achtung seiner Familie und namentlich seines Großvaters, des Regierungsrates, nicht so rücksichtslos verfolgt werden konnte wie seine Freunde. Auch die Mißachtung in der Synagoge hat ihn nicht sonderlich betroffen, da er, um Gott zu loben, ungehindert in das Privatbethaus seines Vaters gehen kann, das seinerzeit seinem Großvater ausnahmsweise gestattet worden ist. Insultationen auf der Gasse ist er jedoch nicht entgangen, ebenso wie auch seiner Familie Angriffe in den rabbinischen Predigten nicht erspart geblieben sind. Er erzählt einen interessanten Vorfall. Eines Tages sei er bei seinen Eltern zu Besuch gewesen und sei nach dem Mittagessen eingeschlafen. Seine jüngeren Brüder aber hätten sehr gelärmt und Hönig im Schlafe gestört und seien darum vom Hauslehrer zur Ruhe gemahnt worden. Von diesem Einschreiten des Hauslehrers hätten jedoch die Rabbiner erfahren und hätten ihm Vorwürfe gemacht, daß er in der Familie einen Menschen in Schutz genommen, der der Ketzerei beschuldigt sei, somit sei er selbst ein Ketzer, und sie hätten den Eltern Honigs zugesetzt, den Lehrer zu entlassen, ja sie hätten Anstrengungen gemacht, ihn aus dem Hause zu bringen, wo er jenen Winter wohnte. Hönig erwähnt jedoch nicht, was für einen Erfolg dieses Einschreiten der Rabbiner gehabt hat. — Ein anderes Beispiel von Hönig: Der Hauslehrer Abraham Lederers, der auch im Hause der Edel Porges wirkte, habe es einmal gewagt, Hönig in seinem Hause aufzusuchen. Sobald dies die Rabbiner erfahren hätten, hätten sie bei der Porges durchgesetzt, daß sie den Lehrer entließ. — Hönig erwähnt auch die bekannten Insultationen gegen Judith Frankl. Die Anzeige Honigs hatte sicherlich Einfluß auf die Auffassung der Prager Polizei und auf ihr Urteil über die vorangegangenen Prager Unruhen, ja sie lieferte eines ihrer Argumente für den Beweis von der Schuld der Rabbiner. Diese Schuld suchte die Polizei in ihrem Gesamtbericht zu begründen, der mit dem Datum vom 15. Jänner 1801 an das böhmische Landesgubernium abgehen sollte. Dieses Bestreben gibt sich schon im ersten zusammenfassenden Absätze des Polizeiberichtes kund : ,,Aus Gelegenheit mehrerer seit einer geraumen Zeit bei der hierortigen Judenschaft vorgefallener und in bedeutende Thätigkeiten ausgearteten Excessen und der hierüber hierämtlich gepflogenen Untersuchung hat 45 387

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