Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 390)
- Language
- German
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die Zerrüttung der Ehe,48 weil auch die jüdische Gattin ihren Mann nach der Achtung einschätzt, die er in der Synagoge genießt. Das Andenken des Verstorbenen ist gleichfalls von seinem guten Rufe im religiösen Leben bedingt, sonst verfolgen ihn Mißachtung und der rabbinische Bann bis ins Grab, was Hönig an dem schändlichen Begräbnis des alten Juden aus Soborten demonstriert* Im weiteren Teile seiner Anklage beweist Hönig, wie bedenklich es unter solchen Umständen sei, wenn die Achtung eines Menschen von den Rabbinern abhänge, für die Hönig die ärgsten Worte hat, indem er ihnen Unbildung, Dummheit, Gemeinheit, Hinterlist usw. zum Vorwurfe macht. Unter diesen Umständen seien die Rabbiner Herren über die öffentliche Meinung unter den Juden, sie übten auf die Juden einen gleichen Einfluß wie in den Republiken des Altertums die Volksdemagogen, ohne sich dabei um ihre Bildung zu bekümmern und ohne auf die Tatsache Rücksicht zu nehmen, daß neun Zehntel der Juden die Bibel und die hebräischen Gebete nicht verstünden. Dieser beklagenswerte geistige Zustand der Judenschaft ist für Hönig ein Ansporn, die Kläglichkeit der rabbinischen Lehre zu kritisieren und an Details dem Polizeikommissär den Tiefstand der Rabbinerbildung darzutun. Seine Sätze klingen fürwahr seltsam, wenn wir bedenken, daß sie in erster Linie gegen Flekeles gerichtet sind, der damals schon als anerkannte europäische Autorität in religiösen Dingen dastand. Man kann jedoch annehmen, daß es Hönig nicht so sehr um die Kritik der theologischen Kenntnisse der Rabbiner zu tun war, als vielmehr um ein Urteil über das menschliche Niveau der Rabbiner, über ihr menschliches Herz, ähnlich wie dies die deutschen Aufklärer taten. Hönig wies jedoch rücksichtslos nach oder bemühte sich nachzuweisen, daß nur die geringe Bildung der Rabbiner eine von den Hauptursachen für die Verfolgung aller jener sei, die etwas wissen oder etwas können. Alles geschehe aus der Befürchtung, die Rabbiner könnten ihre Macht einbüßen. Hönig spricht geradezu von einer rabbinischen Inquisition. Die Rabbiner entfesselten nach seiner Ansicht mit ihren Predigten die Leidenschaften des einfachen Judenvolkes, das dann die armen Beschuldigten durch die Gassen hetzte, die Rabbiner mißbrauchen die geheiligten Stätten der Synagogen, um Lieblosigkeit und Haß zu predigen, um Menschen zu verfluchen, die, durch die Gassen gehetzt, tausende nicht objektive Richter über sich haben. In der Anklageschrift Honigs wird stets wiederholt, nur und nur die Rabbiner hätten die letzten Ereignisse im Prager Ghetto auf dem Gewissen, und unter ihnen sei es besonders Flekeles, der durch seine aufreizenden Predigten, Druckschriften und Verwünschungen das Volk aufstachelte und zur Verfolgung der unschuldigen Opfer antrieb, ihr bisher ruhiges Familienleben zerrüttete und ihre Existenzen vernichtete. Wir können hier nicht alle Vorwürfe 43 385