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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 383

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 383 (sequence 388)
Language
German
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IRI
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terhin auf der Anklage der Rabbiner bestand, da sie dafür ein neues, wichtiges, wenn auch tendenziöses Argument in der Anzeige erhalten hatte, die am 9. November 1800 dem Untersuchungskommissär Patzelt Low Enoch Hönig von Hönigsberg zugehen ließ. Der Angeber Hönig stammte aus einer wohlhabenden Prager Judenfamilie. Er war ein Enkel des Israel Hönig Freiherrn von Hönigsberg (1724—1808), des bekannten Lieferanten für die kaiserliche Armee unter Maria Theresia und seit 1764 Tabakmonopolpächter in allen österreichischen Erblanden, der wegen seiner Verdienste um Handel und Industrie im Jahre 1784 nobilitiert wurde. Schon in der Jugend erwarb er sich eine hohe Bildung, hatte Kenntnis in der Bibel, im Talmud, in der hebräischen Grammatik, im Deutschen und namentlich in der deutschen und jüdischen Literatur. Schon in der Jugend überzeugte er sich, wie er von sich selbst erzählt, von der Beschränktheit und Aufgeblasenheit der Rabbiner. Seine Abneigung gegen sie ähnelt der Einstellung gegen die Rabbiner bei den deutschen Aufklärern der Mendelssohnschen Schule und legt den Verdacht nahe, ob nicht auch Hönig irgendwie von dieser modernen Richtung beeinflußt war. Und in der Tat finden wir in seiner Anklage gegen die Prager Rabbiner, die ein Spiegel von Honigs Seele ist, einige jüdisch-aufklärerische Reminiszenzen. Hönig war z. B. Leser der Berliner Zeitschrift „Der Sammler", die von dem schon bekannten D. Friedländer herausgegeben wurde, und wußte auch von dessen Polemiken mit Flekeles. Und mehr noch, Hönig kannte die Werke Moses Mendelssohns (1729—1786) und berief sich darauf; nach dessen Vorrede zu ,,Menasse ben Israel" und nach dessen Schrift „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum" (1783) verteidigte er die Gewissensfreiheit und kämpfte gegen die Intoleranz.47 Er war auch sehr gut informiert über die Tätigkeit der Berliner jüdischen Aufklärer und über ihre publizistische Tätigkeit gegen die Rabbiner. Besonders kannte er die Wirksamkeit und die Anschauungen des Berliner Arztes und Hofrates Markus Hertz (1747—1803), aus dessen Arbeiten er in seiner Anzeige die Abhandlung „An die Herausgeber des hebr. Sammlers über die frühe Beerdigung der Juden" (Sammler 1787) zitiert und von wo er seine Argumente gegen die rabbinische Demagogie bezogen hat. Charakteristisch ist der Satz in der Einleitung seiner Anzeige: „Überhaupt habe ich sehr viel von den schädlichen Einfluß der itzigen jüdischen Geistlichen auf das Volk zu sagen und welche große Hemmung zu ihrer Aufklärung und Bildung und aller nützlichen Anstalten sie sind." Schon diese wenige Bemerkungen Honigs berechtigen uns dazu, ihn teilweise unter die Zahl der jüdischen Aufklärer in Böhmen einzureihen, die ein Vehikel des Fortschritts und der Modernisierung des Judentums, aber freilich auch die Zielscheibe von Angriffen seitens der Verfechter 41 383

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