Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 384)
- Language
- German
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und Ironie kämpfen, indem man ihre Torheit lächerlich macht und sie bei derselben läßt; sie würden schon bald selbst erwachen aus ihrer Betäubung und den rechten Weg zur echten Religion finden. Die Verfolgung, der sie nun von allen Seiten ausgesetzt sind und die nach der Weisung der Oberjuristen Flekeles und Landau erfolgt, schreit zum Himmel und bringt jedes fühlende Herz auf. Die Rabbiner habe er im rechten, keineswegs günstigem Lichte kennen gelernt und fügt hinzu, der „beliebte Schriftsteller unseres Volkes" Herr D. Friedländer habe sie in der Monatsschrift „Der Sammler" schon tüchtig gegeißelt.42 Durch dieses Bekenntnis verrät unser Anonymus, daß er ein Verteidiger der modernen aufgeklärten Richtung unter der Judenschaft ist, die auf die Ausrottung aller im jüdischen Volke verwurzelten Vorurteile und auf die allseitige Annäherung der Juden an das christliche Wirtsvolk hinarbeitet. Dadurch erscheint auch die ungünstige Einstellung des Autors zum religiösen Fanatismus gegeben, den er verurteilt und dessen Urheberschaft er ähnlich wie seine Lehrer in Deutschland den Rabbinern zur Last legt. Er haßt die Prager Rabbiner und verurteilt mit bitteren Worten ihr Vorgehen, mit dem sie in den beiden letzten Jahren auf die frankistische Propaganda geantwortet. Er war, wie er in seinem Schreiben erklärt, während der ganzen Zeit ein unparteiischer Beobachter der Vorgänge und sah, welche Anstrengungen die Rabbiner machten, um einzelne Leute unter dem einfachen Volke als Ketzer zu verschreien, die man im Geiste der rabbinischen Unduldsamkeit ausrotten müsse usw. Ein bedeutender Teil im Schreiben unseres Anonymus ist gegen die Rabbiner und ihren Mißbrauch der Amtsgewalt gerichtet. Als solche erscheint ihm auch die gegenwärtige Persekution der Prager Frankisten. Im Bestreben, die Handlungsweise der Rabbiner unangemessen erscheinen zu lassen, vergleicht er ihr Vorgehen mit der taktvollen Verfügung Ezechiel Landaus gegen die Frankisten zu Beginn der Neunziger jähre (er selbst schreibt: vor 12 Jahren). Damals habe Landau die verdächtigen Prager Juden kommen lassen, und als er erkannte, daß es sich bei ihnen eher um Dummheit handle, habe er sie ruhig nach Hause geschickt. Die jetzigen Rabbiner überfallen sie aber wie die Wölfe, verfluchen sie (was doch gegen den Geist der unlängst ergangenen kaiserlichen Verordnungen verstoße), stoßen sie aus den Synagogen, lassen gegen sie mit Zustimmung der Zensur ein Pamphlet nach dem andern drucken und verkündigen den Grundsatz, wer mit Ketzern verkehre, sei selbst ein Ketzer. Als gut informierter Zeuge bringt unser aufgeklärter Anonymus dem Stadthauptmann die bekannten Vorfälle bei dem Begräbnis in Erinnerung, die Ausstoßung der verdächtigen Juden aus der Hohen Schule (die Folge sei, daß die Beschuldigten bereits über ein halbes Jahr daheim beten), die bekannten Gewalttätigkeiten von Tritsch und mehreren 37 379