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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 378

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 378 (sequence 383)
Language
German
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IRI
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mitzuteilen; die jüdischen Gemeindevorsteher sollten die jüdische Öffentlichkeit vor der Wiederholung ähnlicher Vorfälle warnen und sollten unter Verlust von Amt und Würden für die fernere Ruhe in der Stadt verantwortlich sein. Patzelt ahnte auch den tatsächlichen Hintergrund der Vorfälle, wenn er beantragte, auf das strengste den Oberjuristen anzubefehlen, sich während der ganzen Untersuchung von jeglichen Kundgebungen und Aufwieglungen zu enthalten, falls sie sich nicht der öffentlichen Ruhestörung schuldig machen und eine exemplarische Bestrafung vermeiden wollten. Patzelt war sich bewußt, mit der Untersuchung der Gassenunruhen nur einen kleinen Teil seiner Aufgabe gelöst zu haben, er wußte, daß die schwere Aufgabe noch zu tun bleibe, und ersuchte, die Erhebung der Ursachen für diese Vorfälle wolle noch einem Polizeikommissär übertragen werden. ^Patzelts Anträge wurden noch am selben Tage von dem Vertreter des Stadthauptmanns Grafen Ignaz Karl Chorinsky genehmigt und es wurde ihm als Mitarbeiter der Polizeikommissär Klehe zugeteilt. Als Patzelt im Oktober die Prager Judenunruhen untersuchte, war die Polizei nicht einzig und allein auf die Aussagen der Beklagten und der Zeugen angewiesen, sondern sie hatte auch ihr eigenes Material zur Verfügung, das ihr von Ungenannten zukam. Wir haben hier schon viel über den Anonymus B. gesprochen und über seine Anklage gegen die Prager Frankisten vom Jahre 1799, doch fiel von da auf die Hintergründe der Ereignisse das tendenziöse Licht eines geschworenen Feindes der Sektierer. Daher war der Polizei umso willkommener ein neues anonymes Schreiben vom 15. Oktober, das unmittelbar an den Stadthauptmann Grafen Wratislaw oder an dessen Vertreter Grafen Chorinsky gelangte und worin ein unbekannter Schreiber seine Gedanken über die letzten Ereignisse vortrug, die Richtung der Untersuchung bezeichnete und die Mittel andeutete, wie man eine Wiederholung der Vorfälle verhindern könnte.41 Uns interessiert hier vor allem die Persönlichkeit des unbekannten Schreibers. Entschieden war es kein Mann aus dem Kreise der Prager Rabbiner, denn er weiß viel gegen sie einzuwenden und möchte ihre Macht gern beschränkt wissen. Auch ein Gesinnungsgenosse der Sektierer war es nicht, denn er erklärte ausdrücklich, er wolle sie nicht verteidigen. Er bemühte sich aber, die Prager Frankisten vom menschlichen Standpunkt zu charakterisieren: Es sind Leute aus den vornehmsten Familien des Prager Judentums, von bestem Charakter und Sitten, gebildet, reich, aber einer Chimäre nachjagend, einem Trugbild, dem sie ihr zeitliches Wohl zum Opfer bringen, um dafür nur Spott und Hohn, Hinauswurf aus den Synagogen und Gesellschaften und Verfolgung von Seiten des ungebildeten Volkes zu erfahren; alldies leiden sie eines törichten Sophismus willen. Gegen sie läßt sich nur mit Satire 378 36

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