Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 375)
- Language
- German
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jüdischen Gläubigen die Gefahr und Verkehrtheit der Frankschen Lehre darzulegen. So kamen die berühmten drei Predigten von Flekeles in den Jahren 1798—1800 in der Neuschule, in der Meisl- und in der Klausschule zustande.31 Ein Teil dieser Predigten erschien im Jahre 1800 gedruckt unter dem Titel „Ahawat Dawid" mit Zustimmung der österreichischen Zensur, ohne Rücksicht darauf, daß einige demagogische Stellen darin geeignet waren, die Ruhe und Ordnung in der Prager Judenstadt zu bedrohen. Diese unerhörte Nachsicht der österreichischen Zensur gegenüber den gedruckten Kundgebungen von Flekeles läßt sich nur aus dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Flekeles und dem damaligen Prager Zensor in hebraicis P. Karl Fischer erklären. Dieses Verhältnis soll so herzlich gewesen sein, daß Fischer den Flekeles auf drohende Gefahren gegen die Juden und auf Nachstellungen selbst im jüdischen Lager aufmerksam machte und ihm verriet, was die gegnerische Pressepropaganda vorhatte. Für Flekeles hatte Fischer den hochfliegenden Titel „oberster Leiter der jüdischen Religion in Prag und Böhmen". So verstehen wir, daß Fischer die Druckbewilligung für das Schriftchen von Flekeles glatt erteilte.32 In seinen Predigten war Flekeles bestrebt, die gläubigen Zuhörer von der Schlechtigkeit, Verkehrtheit und Gefahr der sabbatianischen und frankistischen Lehrmeinungen zu überzeugen. Er ging von der Spielerei dieser Sektierer aus, mit Hilfe von unterschiedlichen Rechenoperationen das Jahr der Erlösung festzustellen. Er warnte jeden gläubigen Juden schon vor dem bloßen Verkehr mit einem Menschen, welcher der Hinneigung zum Sabbatianismus oder Frankismus verdächtig sei. Das Haupterkennungszeichen eines solchen geheimen Sektierers war nach Flekeles der Umstand, wenn sich ein Mensch, der im Talmud nicht sonderlich bewandert ist, angelegentlich mit der Aggada und dem Sohar beschäftigt. Dabei wies Flekeles auf die seinerzeitige Verfluchung des Sabbatianismus im Jahre 1726 und auf seine jüngere Verwünschung des Frankismus hin; beide Anathemen beabsichtigte er im Verein mit dem Rabbinerkollegium im Druck ausgehen zu lassen; wir kommen darauf später noch genauer zurück. Das Allergefährlichste an den Frankisten war nach seiner Darlegung die Heuchelei, die Vorspiegelung, rechtgläubige Juden zu sein, sowie das Bestreben, durch scheinbare Wohltätigkeit und häufigen Synagogenbesuch den Eindruck musterhafter Juden zu erwecken und durch ihr Beispiel Gesinnungsgenossen zu werben. In Wirklichkeit jedoch waren es nach der Beweisführung von Flekeles Leute, die Gott betrügen, Unzucht treiben, ehebrechen usw. Das wäre etwa in Kürze der Inhalt der Flekelesschen Predigten, die der bisherigen jüdischen Literatur bereits bekannt sind, so daß man sich damit begnügen könnte. Doch müssen wir bei einigen Stellen dieser 29 371