Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 374)
- Language
- German
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Der Tod Ezechiel Landaus im Jahre 1793 beraubte für eine Reihe von Jahren die Prager Judenschaft einer großen religiösen Autorität, die in der Lage war, den geistigen Wirren in der Prager Judengemeinde auf das wirksamste entgegenzutreten. Der neue erste Oberjurist Michael Bachrach reichte beiweitem nicht an das Format seines großen Vorgängers heran, seine beiden jüngeren Hauptmitarbeiter, die Oberjuristen Eleazar Flekeles und Samuel Landau, waren nicht so weit fortgeschritten, um als Autoritäten zu gelten, wie es solcher nach einem so großen Vorgänger bedurft hätte. Der Achtung der beiden war zunächst auch ihre gegenseitige Feindschaft abträglich, hervorgerufen durch die Rivalität bei der Bewerbung um die Stelle des Oberjuristen nach Ezechiel Landau im Jahre 1793. So kam es, daß das verjüngte Prager Rabbinerkollegium erst einige Jahre nach dem Tode Ezechiel Landaus in dem unterbrochenen Kampfe gegen die frankistische Propaganda fortfahren konnte. An der Spitze des wiederaufgenommenen Kampfes stand Eleazar Flekeles, ein Prager (geb. 1754), ein Lieblingsschüler Landaus, vorübergehend Rabbiner zu Kojetein in Mähren und schließlich Oberjurist (seit 1793) in Prag.30 Es war ein für seine Zeit gelehrter Mann, der besonders auf dem Gebiete der jüdischen Theologie allgemein in ganz Europa anerkannt wurde. Und gerade diesen Mann bestimmte das Schicksal, Führer der jüdischen Orthodoxie zu sein im Kampfe gegen die Schismatiker in Böhmen. Flekeles hatte schon in der Kindheit gehört, daß geheime Anhänger des Frankismus in Prag lebten. Von Ezechiel Landau, der den Frankismus aus der Zeit seiner geistlichen Wirksamkeit in Podolien kannte, erlangte er eingehende Informationen über die pseudomessianische Lehre Franks. Unmittelbar lernte er sie kennen während seiner Wirksamkeit als Rabbiner zu Kojetein in Mähren. Von da ist er auch, einer alten Tradition zufolge, zu Frank nach Brünn gefahren und hat — freilich vergeblich — ihn zu bewegen versucht, seine Propaganda aufzugeben. In Prag war er Zeuge von Landaus letztem Einschreiten gegen die Frankisten im Jahre 1792. An diese Aktion knüpfte er einige Jahre später mit noch größerem Eifer und größerer Rücksichtslosigkeit an, als es ein öffentliches Geheimnis wurde, daß die Prager Frankisten nach Offenbach reisten, daß sie ihre Jugend hinschickten und große Summen Geldes. Er knüpfte an die Verfluchung des Sabbatianismus vom Jahre 1726 an und gab öffentlich bekannt, es sei die heilige Pflicht eines jeden Juden, die Parteigänger Sabbatai Zewis und Jakob Franks bis zu ihrer Vernichtung zu verfolgen. Es geschah freilich nicht mit einem Schlage, sondern allmählich in mehreren Predigten, die er im Einvernehmen mit den übrigen Oberjuristen und Religionslehrern hielt, von denen er aufgefordert worden war, öffentlich aufzutreten und auch in ihrem Namen zu sprechen. Zweck der Predigten war, den 370 28