Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 376)
- Language
- German
- Belongs to
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gedruckten Predigten von Flekeles etwas länger verweilen und sie näher ausführen, um im Detail die Flekelessche Kampfesweise kennen zu lernen, und auch deshalb, weil diese Predigten bequem die Waffen zum Gegenangriff lieferten, den im Herbst 1800 die Prager Frankisten durch eine Anzeige Honigs von Hönigsberg unternahmen. Damals schloß Hönig seiner Eingabe ein Exemplar der Schrift von Flekeles an, in welchem er mit der Feder die aufreizendsten Stellen angestrichen hatte, überdies hatte er auf einem besonderen Bogen eine deutsche Übersetzung beigelegt, damit die Polizei leichter feststellen könne, daß die eigentlichen Unruhestifter unter den Prager Juden die Rabbiner waren und besonders Flekeles, der nach Hönig das unwissende jüdische Volk zu Gewalttätigkeiten gegen scheinbare oder wirkliche Sektierer geradezu aufgehetzt hatte. Eine solche aufreizende Stelle war schon ein Teil der Vorrede zu den Predigten von Flekeles, von Hönigsberg folgendermaßen deutsch wiedergegeben: „Ich warne zwar in alle meine Schriften und Predigten gegen alle Nationen tolerant zu sein, sie und deren Könige und Fürsten in Ehren und Achtung zu halten. Der Grund und die Absicht gegenwärtiger Schrift ist blos zu dem Ziele zu beweisen, daß, da die Anhänger Schabsy alle Religionen verachten, so ist es für jeden Israeliten Schuldigkeit, ja heilige Pflicht, selbe bis zur gänzlichen Ausrottung zu verfolgen, wie der Leser aus der ganzen Schrift von Anfang bis zum Ende ersehen wird." Am Schlüsse der Vorrede drohte Flekeles noch: „Wer diese meine gegenwärtige Schrift tadelt oder lächerlich macht, dessen Strafe ist groß, dessen Sünde aufbewahrt, denn schon dadurch, daß jemand diesen Leuten nur eine gute Seite heraussucht, wird sichtbar, daß er selbe unterstütze, und macht sich dadurch selbst verdächtig zu ihrer Gesellschaft zu gehören, wie es am Eingange der Predigt ersichtlich ist/4 Ähnlich bemühte sich der Autor auch auf der ersten Seite der eigentlichen Predigt nachzuweisen, wer noch so leise an dem Ernste seiner Worte zweifle, sei nicht gegen die Sektierer; ein solcher Mensch sei der Verdammung wert. Andere solche äußerst aggressive Kundgebungen fand Hönigsberg auf beiden Seiten des Bl. 6, wo Flekeles erläuterte, wie man am besten einen solchen Sektierer von einem rechtgläubigen Juden unterscheide. Nach Hönigsberg hat Flekeles erklärt: „Diejenigen, die nicht im Talmud und allen dessen Erklärungen sehr wohl bewandert und in Sohar und Egodos88 studieren, dieß, dieß sind die abscheulichen Unreinen!" Ein anderes Zeichen zur Erkennung der Sektierer war: „Wenn vernünftige Männer, die fähig wären den Talmud zu studieren, dieses unterlassen und kabbalistische Schriften lesen; wenn sie sogar die großen Rabinen, die das Zeremonialgesetz und Polemik zum Hauptstudium machen, auslachen, zu ihnen spottweise sagend: Würdet Ihr dadurch etwas von 372 30