Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 371)
- Language
- German
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sein, den Offenbacher Göttern „viel tausend Gulden" auszuliefern. Dasselbe Schicksal soll die uns bereits bekannte Rosel Eger ereilt haben, die ebenfalls erst nach längerer Weigerung und gezwungen ihr Geld hergab. Im Sommer 1799 erschienen wieder in Offenbach Jonas Beer Wehle und Gabriel Porges mit allen ihren Gesinnungsgenossen. Noch früher, gelegentlich eines der früheren Besuche Jonas Wehles, war in Offenbach auch sein Schwiegersohn Hönig von Hönigsberg und er soll nach Prag fast wahnsinnig und skeptisch zurückgekommen sein; Wehle soll es aber gelungen sein ihn wieder umzustimmen und beim frankistischen Glauben festzuhalten. Die Beispiele für Fahrten von Prager Frankisten nach Offenbach und für die freiwillige oder erzwungene Lieferung von Geld waren sicher zahlreicher, als wir sie hier erfassen konnten. In Offenbach lernten die Prager Juden Franks Lehre näher kennen und auch die Unterschiede gegenüber dem, was ihnen Jonas Beer Wehle darlegte. Bei einem Teile der Pilger führte diese Erkenntnis zu einer gewissen Ernüchterung und einer kritischen Einschätzung dessen, was sie gehört und gesehen. Das geheimnisvolle Auftreten der Frankschen Kinder, die vorgetäuschten Weissagungen, der Absolutismus der Eva Frank, die Unfreiheit der Mitglieder ihres militärisch organisierten Gefolges, die ständigen Gelderpressungen, um die kostspielige Hofhaltung zu bestreiten, zwangen den Beobachter geradezu, sich darüber seine Gedanken zu machen. Es fehlte nun nicht mehr viel zu der Erkenntnis, daß alles, was in Offenbach geschieht, ein Schwindel ist, ein leichtsinniges Spiel mit dem Gewissen der mystisch und romantisch gestimmten Judenschaft, die ungeduldig auf die Ankunft des Messias wartete, und eine vorsätzliche Ausbeutung ihres blinden Vertrauens. Zu diesem Schlüsse gelangten auch die beiden Brüder Porges. Am meisten hatte ihren Glauben erschüttert, daß sie ihren Genossen zur Zielscheibe des Spottes dienen mußten, weil ihr Vater der Eva Frank nur eine kleine Gabe gebracht hatte. Mit Schmerz erkannten sie, daß man in Offenbach reiche Gaben höher einschätze als echte Frömmigkeit. Und doch konnten sie sich lange zu keinem ernstlichen Schritte entschließen, sie arbeiteten weiter an ihren Aufgaben, worunter im Jahre 1800 die größte Aufmerksamkeit das Abschreiben des berüchtigten ,,roten Flugblattes" beanspruchte; die Vorsteher des Offenbacher Hofes forderten darin die böhmischen, mährischen und polnischen Frankisten auf, dem drohenden Untergang des Judentums, den die europäischen Mächte beschlossen haben sollten, durch ihren Übertritt zum Katholizismus zu steuern.25 Die Brüder Porges sagten unmittelbar über ihren Anteil an der Vervielfältigung des „roten Flugblattes" aus: „Sie sämmtlich haben jene Briefen, die von die Schenstochoffers aller Orten jüdischer Versammlungen, mit rothe Dinte ge- 25 367