Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 372)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644309--4174-2648523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sehrieben, herum geschickt worden sind, geholfen schreiben und expediren, auf Befehl des Jacob Franks Kinders, sie haben große Mühe damit gehabt, mann sagte, sie hätten großen Gottslohn davon, auch haben sie diese Briefen in Frankfurth, Hanau und andere umliegende Orten, auf der Post legen müssen, damit man nicht bemerken soll, daß sie so viele Briefe aus schreiben."26 Allmählich erwachte jedoch bei den beiden Porges die Sehnsucht, aus Offenbach zu entkommen und der unsinnigen Disziplin und dem unerträglichen geistigen Drucke der Frankschen Kinder zu entrinnen. Für ihr Komplott gewannen sie noch ihren sächsischen Genossen Jonas Hofsinger, der zum Frankismus von Jonas Wehle verführt worden war, und eine Art Zustimmung der Familie zur Abreise von Offenbach. Die Zustimmung der Familie war vermutlich durch den keimenden Kritizismus im Lager der Prager Frankisten bedingt, von denen die Mehrzahl wohl um den inneren Zwiespalt der Gebrüder Porges wußte. Die Flucht glückte ihnen und sie gelangten glücklich nach Frankfurt am Main. Dann wanderten sie ziellos in Deutschland umher — nach Böhmen wollten sie nicht zurückkehren aus Furcht vor der immer noch drohenden Assentierung zum Heere — bis sie schließlich im November 1800 zu Fürth in Bayern gefaßt, vor einer besonderen Kommission von Rabbinern über ihr Leben in Offenbach verhört und dann aus der Stadt ausgewiesen wurden. Nach Böhmen und in die österreichischen Länder kehrten sie jedoch erst viel später zurück, wenngleich die landesfürstlichen Behörden bereits im Frühjahre 1800 ihre Ankunft nach Drosau im Klattauer Kreise erwarteten.27 Soviel wissen wir bisher über die Stärke der Frankschen Anhänger in Prag und über ihre Tätigkeit und namentlich über ihre Reisen nach Offenbach. Was die Frankisten auf dem flachen Lande in Böhmen anlangt, so sind unsere Kenntnisse sehr lückenhaft. Wir haben bereits die Möglichkeit eines Vorkommens von Frankisten in Jitschin erwogen, wo sich ein Bruder des Jonas Wehle aufgehalten haben soll. Ebenso darf man geheime Frankisten zu Soborten bei Teplitz vermuten, da wir von einem Greise hören, der den Moses Porges auf seiner Flucht über die Grenze führt. Es war wohl derselbe Greis, der im Jahre 1800 Gast in der Familie Wehle in Prag war, hier auch gestorben ist und dessen Begräbnis, wie wir noch sehen werden, den Anlaß zu unerhörten Kundgebungen des Prager jüdischen Volkes gegen die frankistischen Parteigänger bot. Die verläßlichsten Nachrichten haben wir über die Frankisten zu Kolin, wo ein zweifellos festgestellter Parteigänger Franks und eifriger Propagator seiner Lehre Veit Lichtenberg war. Seine Enthüllung verdanken wir unserem annoymen Gewährsmann B., der den Lichtenberg in das Verzeichnis seiner Beschuldigten aufnahm. Bei Lichtenberg soll ein Teil der verbotenen Literatur der böhmischen Frankisten versteckt gewesen 368 26