Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 370)
- Language
- German
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Namen auf Josef, Ludwig und Max änderten und einige Zeit verblieben. Mit den Gebrüdern Wehle war auch Moses' jüngerer Bruder Low Porges gekommen, der bei seinem älteren Bruder in Offenbach blieb und den Vornamen Leopold annahm. Unter den Offenbachpilgern im Herbst 1798 fehlte auch nicht der alte Jonas Beer Wehle, der als Haupt des Prager Frankistenkreises schon ältere Beziehungen zu Offenbach hatte. Franks Kinder sollen ihm aufgetragen haben, in Prag möglichst viele Gesinnungsgenossen für ihre Lehre zu werben. Für den Offenbacher Hof Geld zu sammeln, galt als selbstverständliche Pflicht und wurde nicht erst besonders eingeschärft. Mit Jonas Wehle kamen im Herbst 1798 in Offenbach auch Arorx Beer Wehle und der alte Gabriel Porges an. Beide wurden der Eva Frank vorgestellt und legten ihr ihre Gaben zu Füßen: die reichen Wehles schenkten ihr Gold und Goldgegenstände, der ärmere Gabriel Porges mußte sich damit begnügen, ein Stück Battist zu geben. Diese bescheidene Gabe des alten Proges gab in der Folge Anlaß zu spöttischen Bemerkungen, mit denen die Offenbacher Gefolgschaft die Gebrüder Porges bedachte; so wurden sie veranlaßt, alles, was sie bisher in Offenbach gesehen und erlebt hatten, kritisch einzuschätzen. Nach Offenbach kamen auch zwei Söhne Mendel Gitschins und eine seiner Töchter; die mußte angeblich Eva Frank ihre Perlen und ihre überzählige Kleidung darbringen.2* Gitschins Tochter nahm auch an den seltsamen Zeremonien teil, die am Langen Tage 1800 der älteste Sohn Franks, namens Ruach, leitete.22 Die Prager Offenbachbesucher wurden dort ebenso wie die anderen durch Franks Kinder von ihrer prophetischen Macht überzeugt. Besucher, welche die Zukunft erfahren wollten, wurden von Franks Kindern auf die Nacht vertröstet, wo sie sie ihnen im Schlafe enthüllen wollten. Das war der beste Weg, um von den Pilgern Geld zu locken. Einmal mußten die Prager Wehles in ihrem Familienkreise 5000 Gulden auftreiben, die zu Ostern Aron Beer Wehle nach Offenbach mitnahm. Er blieb hier drei Tage und Franks Nachfolger gaben ihm dafür den Segen, so daß er Tränen der Freude vergoß und laut zu Frank betete. Ein anderer, sehr freigebiger Besucher Offenbachs war Solomon Zerkowitz aus Prag, der angeblich wegen seines Sohnes Low hinfuhr und Eva Frank und ihren Brüdern viel Geld widmete.23 Das trug sich höchstwahrscheinlich im Jahre 1798 zu, als nach den Erinnerungen des Moses Porges Salomon Zerkowitz die kläglichen Reste seines vordem großen Vermögens nach Offenbach brachte; als er seine Habe Eva übergab, soll er in Tränen ausgebrochen sein.24 Auch im Sommer 1799 war Zerkowitz in Offenbach, zusammen mit dem Studenten Moses Gresfeld, und wieder übergab er Franks Kindern Geld — diesmal soll es nicht mehr ganz freiwillig geschehen sein. Ähnlich soll Mendel Gitschin gezwungen worden 366 24