Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 369)
- Language
- German
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Sekte die Brüder Porges bei ihrem Verhör zu Fürth im November 1800 vieles ausgesagt haben. Schon einige Male haben wir die Fahrten der Prager Frankisten nach Offenbach erwähnt, die von fast allen genannten Prager Juden unternommen wurden. Unsere drei wichtigen Quellen bieten uns alle ziemlich verläßliche Nachrichten, um mit Sicherheit den Verlauf dieser Reisen zu schildern und die Teilnehmer zu nennen. An der Spitze der Offenbachpilger stehen die Brüder Moses und Low Porges, die sich zu ihrem Wege nach Offenbach nicht bloß aus religiösen Beweggründen entschlossen, sondern auch aus Befürchtung vor der Rekrutierung. Die Erinnerungen des Moses Porges, Neuausgabe von Galber,18 sind eine einzigartige Quelle zur Kenntnis der Fahrtrichtung, welche die frankistischen Offenbachpilger aus Böhmen einschlugen, zur Kenntnis der gewonnenen Eindrücke. Wir wollen daher bei den persönlichen Erlebnissen des Moses Porges (geb. 1781 zu Prag) etwas verweilen, wie er sie in seinen Erinnerungen geschildert hat, ohne dabei allerdings unsere anderen Quellen aus dem Auge zu lassen. Unter dem Einfluß der väterlichen Erziehung des Gabriel Porges wurde der junge Moses Porges ein leidenschaftlicher Bekenner der religiösen Grundsätze von Frank und es war seine große Sehnsucht, nach Offenbach in die Umgebung der „göttlichen Eva" zu gelangen. Sein heimliches Verlangen nach Offenbach wurde durch die Angst vor der Rekrutierung vertieft, die sich seit den bekannten josefinischen Reformen auch auf die Juden bezog und im Jahre 1798 plötzlich verlautbart worden war. Das entschied. Vorläufig hielt sich der junge Moses Porges in Prag bei Salomon Brandeis verborgen und gelangte durch Vermittlung des Teplitzer Kaufmanns Katz nach Teplitz. Hier nahm sich seiner ein gewisser alter Jude aus Soborten an,19 der ihn für zwei Taler über die Grenze nach Sachsen brachte. Die Reise des jungen Porges führte zuerst nach Dresden, wohin er zu Wolf Eibeschütz empfohlen war, dem Sohne des bekannten gelehrten Rabbiners Jonathan Eibeschütz, einem einflußreichen Propagator des Frankismus, dessen Sitz Dresden gewissermaßen eine Durchgangsstation der polnischen Offenbachpilger bildete. Von Dresden ging der junge Porges bis nach Offenbach zu Fuß. Dort angekommen, brachte er der Eva Frank seine 60 Gulden dar, die er wrährend der ganzen Reise sehr ängstlich behütet hatte. Er war von dem Empfang, der ihm zu Offenbach zuteil wurde, entzückt und von der Freundschaft der polnischen Vertrauten Evas: Wolowski, Dembowski, Matuszewski u. a. begeistert. Während seines Offenbacher Aufenthaltes traf Moses Porges mit einigen Pilgern aus Prag zusammen. Schon im Sommer 1798 kamen drei Söhne Jonas Beer Wehles hin, Abraham, Josef und Akiba,20 die hier ihre 23 365