Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 366)
- Language
- German
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Diese feindselige Rücksichtslosigkeit zeigt sich besonders darin, daß er in einer Zeit allgemeiner Angst vor der französischen Revolution und ihren zersetzenden Ideen den Stadthauptmann zu überzeugen bestrebt ist, die Frankisten und ihre Geheimgesellschaften und Klubs stünden mit den französischen Revolutionären in Verbindung.9 Von den zur Bekräftigung seiner Behauptung beigebrachten Argumenten ist am bemerkenswertesten die Erwähnung von Franks Parteigänger und Brünner Landsmann Moses Dobruska, ebenfalls einem Neophyten, der auch unter dem neuangenommenen Namen Schönfeld bekannt ist. Dieser soll nach Franks Tode nach Offenbach gekommen sein, um Franks Stelle einzunehmen. Von Offenbach, wo er keinen Erfolg hatte, soll er sich weiter westwärts nach Frankreich gewandt haben, wo er unter dem Namen Moses Frei aufgetreten sei. Er soll sich mit der Tochter des Sekretärs des französischen Revolutionskonventes verheiratet haben und unter Robespierres Schreckensherrschaft hingerichtet worden sein. An dem Beispiel des Moses Dobruska-Schönfeld-Frei wollte der Anonymus B. die Verbindung der geheimen frankistischen Gesellschaften mit der französischen Revolution erweisen, wohl mit der durchsichtigen Tendenz, die Behörden zum allerschärfsten Einschreiten gegen die Beschuldigten zu veranlassen. Und er betonte auch den Einfluß der gleichzeitigen politischen Verhältnisse auf die Gesinnung dieser Sektierer: in den fortgesetzten Kriegen der damaligen Zeit und namentlich in den großen Erfolgen Napoleons, in seiner Eroberung Ägyptens, seiner Besetzung Palästinas und Jerusalems hätten sie eine Art Vorzeichen der nahenden Ankunft des Messias, des Sabbatai Zewi in neuer Person erblickt. Diese unmöglichen und phantastischen Kombinationen waren jedoch die bloße Einleitung zu der folgenden Beschuldigung gegen die Prager, besser gesagt: die böhmischen Frankisten. Er zählte ihrer an 50 Personen, zusammengefaßt in zwölf Familien.10 Ihre Häupter waren: Jonas Beer Wehle, Aron Beer Wehle, Low von Hönigsberg (im Laufe der Darstellung werden wir uns der Namensform Hönig von Hönigsberg bedienen),11 Philipp Wehle, Jonathan Herz Bondi, Emanuel Herz Bondi, Nathan Kassowitz, Markus Simon Porges, Gabriel Porges, Veit Lichtenberg, Moses Kolin und Salomon Zerkowitz. Alle unsere Quellen kommen darin überein, daß das Haupt der Prager Frankisten Jonas Beer Wehle war, Handelsherr in Prag, in dessen Hause die Prager Frankisten fast tagtäglich zusammenkamen; hier lasen sie ihre religiösen Bücher, zu Wehle führte der erste Weg der heimkehrenden Offenbachpilger. Es war ein Mensch, dessen religiöse Bildung sich bedeutend über den Durchschnitt seiner Zeit erhob. Das allerbeste Zeugnis stellt ihm sein Schwiegersohn und Glaubensgenosse Enoch Low von Hönigsberg12 aus, der von ihm erzählt, in der Prager Judenstadt habe 362 20