Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 367)
- Language
- German
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er den Ruf eines sehr frommen Mensehen, eines großen Theologen und guten Kenners der Kabbala und der gesamten jüdisch-theologischen Literatur gehabt. Hönig schildert, wie sich ihre beiderseitige Freundschaft entwickelte und befestigte, wie sie gegenseitig ihre Meinungen austauschten, wobei der tiefgebildete Hönig dem Wehle vorlas und die philosophischen Schriften erklärte, während ihm Wehle dafür die theologischen Schriften vorlas, die Grundlagen der Kabbala erklärte und viele „rätselhafte" Stellen des Talmud,13 die religiösen und Ideensysteme der jüdischen Weisen und überhaupt das Wesen der jüdischen Religion erläuterte. Von ihm übernahm Hönig den Haß gegen die Rabbiner; Wehle machte sie für die Unwissenheit, die Geistesarmut, die Beschränktheit und besonders für die seelische und moralische Unterdrückung und den geistigen Tiefstand der damaligen Judenschaft verantwortlich. Seine höheren moralischen Grundsätze war Wehle — wieder nach Hönig — bestrebt auf das praktische Leben anzuwenden, indem er die Liebe zu jedem Nächsten verkündete und den Haß ablehnte. Diese Seite von Wehles Leben beleuchtet Hönig an der Aufnahme, die im Jahre 1800 in Wehles Familie einem alten armen Juden aus Soborten bei Teplitz zuteil wurde. Wir dürfen mit vollem Rechte annehmen, daß es sich hiebei um irgendeinen Frankisten von dort handelt, weil damals die Familie Wehle in Prag schon allgemein als ketzerisch bekannt war. Der alte Jude wurde sehr gastfreundlich empfangen, mit Aufmerksamkeit überhäuft, worin Wehles Tochter Judith, verehelichte Frankl, alle andern Familienmitglieder überbot. Als er erkrankte, wurde ein Arzt an sein Krankenlager gerufen und dann wurde er ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder überführt, wo ihn die Familie Wehle weiter mit Speise, Wäsche und anderem Bedarf bis zu seinem Tode am 21. September 1800 versorgte.14 Hönig von Hönigsberg war einer von denen, die Jonas Beer Wehle für Franks Lehre gewonnen hatte; es waren ihrer mehr, z. B. Jonas Hofsinger aus Dresden, der Gesellschafter der böhmischen Juden während ihres Aufenthaltes am Hofe zu Offenbach.15 Einen Gutteil der Prager Frankisten stellten eigentlich die Angehörigen der großen Familie Wehle, besonders der Familie Jonas Beer Wehles, dessen Tochter und Schwestern bestrebt waren, ihre Gatten für die Religion ihres Vaters und Bruders zu gewinnen. So war dies, wie bereits erwähnt, im Falle Honigs von Hönigsberg gewesen, des Gatten einer Tochter Wehles. Auch Wehles Tochter Judith, verehelichte Frankl, wurde bereits in solchem Zusammenhange erwähnt. Jonas Wehles Schwester Rosel war mit einem gewissen Simon Eger vermählt und soll bemüht gewesen sein, ihren Gatten für ihre religiösen Grundsätze zu gewinnen; er soll aber widerstrebt haben und sich namentlich geweigert haben, in die gemeinsame Kasse der Prager Frankisten beizutragen. Das 21 363