Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 360

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 360 (sequence 364)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4166-2648515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

geschätzte Eibeschütz sich noch manchmal gegen diese bedenklichen Beschuldigungen verteidigen mußte, doch ist es hier nicht notwendig näher darauf einzugehen. Für die Gegner von Jonathan Eibeschütz war es jedenfalls eine gewisse Genugtuung, daß sie ihn gerecht beurteilt hatten, als sich Jonathans Sohn Wolf Eibeschütz in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts öffentlich zum Frankismus bekannte und ein Hauptpropagator desselben wurde. Unter den Hauptgegnern des Sabbatianismus und Frankismus in Böhmen ist der bekannteste der gelehrte Prager Rabbiner Ezechiel Landau (1720-1793); er hatte das sabbatianische Sektentum schon vor Franks Auftreten während seines Aufenthaltes in Podolien kennen gelernt, wto er in der Ortschaft Jampol Rabbiner war. Landau trat wiederholt gegen das Sektenunwesen auf, hatte Anteil an den Streitigkeiten um Jonathan Eibeschütz und später als Rabbiner in Prag war er das Haupt des Vernichtungskampfes gegen die Frankisten, für den er sich fähige und erfolgreiche Nachfolger erzog. Besonders trat er der frankistischen Propaganda in Böhmen zur Zeit der Frankschen Gefangenschaft zu Czenstochau entgegen, als die Tätigkeit der Emissäre des polnischjüdischen Messias intensiv auch auf Böhmen und besonders auf Prag herübergriff. Hier hielt sich aller Wachsamkeit und Verwünschung der Rabbiner zum Trotz eine Gruppe von Frank-Verehrern, von denen einzelne mitunter zu Frank und dessen schöner Tochter Eva nach Brünn und später nach Offenbach reisten, um ihnen Geld und andere reiche Geschenke zu bringen. Ezechiel Landau war beständig auf der Hut, um jeden Versuch einer intensiveren frankistischen Propaganda in Prag zurückzuschlagen. Ein letzter solcher erfolgreicher Eingriff glückte ihm noch ein Jahr vor seinem Tode, d. h. im Jahre 1792, als durch die Denunziation eines Juden, um den sich die Frankisten bemüht hatten, einige Geheimnisse der Prager Frankisten enthüllt worden waren. Ezechiel Landau machte von seiner Amtsgewalt Gebrauch, berief alle ihm bekannten wirklichen oder beschuldigten Prager Frankisten zu sich und sprach ihnen scharf ins Gewissen. Sie bestritten jedoch ihre Zugehörigkeit zur verhaßten Sekte und beteuerten, rechtgläubige Juden zu sein. Landau gab sich scheinbar mit ihrer Erklärung zufrieden, schenkte ihnen aber keinen Glauben. Die Frankisten ahnten es, gingen daher sehr vorsichtig zu Werke und gaben ihre Propaganda auf, um sich nicht den Zorn und die Strafe des weisen und mächtigen Rabbiners zuzuziehen. Erst nach dem Tode Landaus erhoben sie wieder ihr Haupt, da sie von Seiten seiner Nachfolger keinen so entschiedenen Widerstand erwarteten, als ihnen bisher der verstorbene Landau entgegengesetzt hatte. Sie ahnten jedenfalls nicht, daß ihnen in der Person von Landaus Nachfolger, dem Oberjuristen Eleazar Flekeles, ein noch 300 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.