Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 359

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 359 (sequence 363)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4165-2648514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mit dem Propheten Elias, er vermöge auf die Gottheit einzuwirken, sich ihm zu offenbaren, er vermöge Tote aufzuwecken und neue Welten zu erschaffen. Diese und ähnliche Lehren, die er vortrug, fanden in Prag aufmerksames Gehör und bei manchen Juden auch Glauben. Nach Graetz1 währte Chajons Aufenthalt in Prag fast ein ganzes Jahr. Chajon soll hier für seine Lehre und seine sabbatianischen Grundsätze recht viel Anhänger gewonnen haben, wenngleich seine Anwesenheit und seine Lehren unter den Prager Juden auch bedeutenden Widerstand fanden. Damals lernte Chajon auch der spätere große Prager jüdische Gelehrte Jonathan Eibeschütz kennen und Chajon weihte ihn in die kabbalistische Literatur ein. Der Widerstand und die Feindschaft der Prager Juden gegen den sektiererischen Chajon trat einige Jahre später in den Zwanzigerjahren des 18. Jahrhunderts augenfällig in Erscheinung, als Chajon, im Bestreben, die Führung der sabbatianischen Bewegung an sich zu reißen, neuerdings Europa bereiste und hier agitierte. Diesmal wurde ihm jedoch der Zutritt in die Prager Judenstadt verwehrt; Chajon mußte außerhalb der Stadt bleiben und es kam ihm nur die Freundschaft mit Jonathan Eibeschütz und dessen Frau zugute, die ihn vor der Stadt mit Nahrung versorgten.2 Das war beiläufig zu der Zeit, als die Prager Judengemeinde durch die sabbatianische Propaganda von polnischer Seite aufgewühlt wurde, nämlich durch den Prager Aufenthalt von Moses Meir Kamenker aus Zolkiew im Jahre 1725. Sein Agitationsversuch in Prag schloß mit einem Fiasko, ebenso wie in Frankfurt am Main, Altona und Amsterdam, wo überall der Bettelrabbiner aus Zolkiew bemüht war, seine sabbatianischen Grundsätze zu verkünden. Wichtig war jedoch, daß er sich in Prag mit dem jungen Jonathan Eibeschütz befreundete, der gewissen kabbalistischen Lehrmeinungen recht zugetan war und des geheimen Sabbatianismus beschuldigt wurde. Der Verdacht gegen Eibeschütz wurde noch durch den Umstand verstärkt, daß man wußte, er verkehre auch mit Löbele Proßnitz, der ebenso wie Kamenker Eibeschütz für eine neue Verkörperung des Geistes Sabbatai Zewis hielt. Die Stimmung gegen Eibeschütz war ziemlich feindselig, in Prag war sein Erzfeind sogar David Oppenheim, ja es schien, er werde der Verdammungsstrafe nicht entgehen.3 Um die Gefahr abzuwenden, schloß er sich dem Verdammungsspruche an, der am 16. September 1726 über alle Sabbatianer und ihre Gesinnungsgenossen verkündet wurde. Es war dies die erste Verdammung des Sabbatianismus in Prag, ausgesprochen von einem Manne, der im Verdachte stand, mit der verdammten Irrlehre zu sympathisieren.4 Der Verdacht verfolgte aber Eibeschütz weiter während seines Aufenthaltes in der Fremde, in Frankreich und in Deutschland, wo der sonst hoch- 17 359

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.