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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 358

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 358 (sequence 362)
Language
German
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IRI
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neuerte Propaganda und ihre Auswirkungen besonders machtvoll auf die religiöse Entwicklung der böhmischen und namentlich der Prager Judenschaft ein und rief hier eine tiefgehende innere Krise hervor. II. DIE FRANKISTEN IN PRAG UND IHRE VERFOLGUNG UM DAS JAHR 1800 Offenbach wurde zum letzten Mittelpunkt des Frankismus in Europa. Hier vervollkommnete Frank sein Herrschersystem, beendete die militärische Organisation seines Gefolges und fuhr energisch fort von seinen Gläubigen Geld und Gaben einzutreiben. Als ihn im Jahre 1791 der Tod ereilte, war jedoch der frankistischen Propaganda in Europa dadurch keineswegs das Ende bereitet. Franks Erbe trat seine Tochter Eva an. Sie beherrschte ihre Gefolgschaft in Offenbach und die Anhänger der väterlichen Lehre mit der gleichen absolutistischen Strenge und Rücksichtslosigkeit weiter, forderte von den Frankisten die gleichen Ehrungen, die sie einst ihrem Vater erwiesen hatten, und verlangte Beiträge in Geld und Gaben zur Führung eines fürstlichen Hofes in Offenbach. Offenbach blieb ein Mekka frommer frankistischer Pilger, die hinwallten, um der Tochter ihres Messias ihre Huldigung zu erweisen und ihr unter Umständen ihr letztes Gut als Gabe darzubringen. Unter den vielen Offenbachpilgern stellten die Mehrheit die polnischen Juden, sie kamen aber auch aus anderen Teilen Mitteleuropas, auch Juden aus den böhmischen Ländern fehlten nicht, namentlich nicht aus Prag. Ihre Pilgerfahrten nach Offenbach bildeten den zeitlichen Abschluß in der Vergangenheit des böhmischen Frankismus und wir wollen ihn jetzt etwas näher betrachten, allerdings müssen wir vorher die frühere Entwicklung der frankistischen Propaganda in Böhmen und besonders in Prag kurz überschauen. Analog zu den Verhältnissen in Mähren können wir annehmen, daß bereits im 17. Jahrhundert die messianische Lehre Sabbatai Zewis, die durch seine Propheten in ganz Mitteleuropa verkündet wurde, auch bis zur böhmischen Judenschaft drang. Einer dieser großen Verkünder des Sabbatianismus war der uns bereits bekannte bosnische Landsmann Nehemia Chajon, der Verfasser zahlreicher religiöser Werke, der im Jahre 1711 oder etwas später auf seinen Fahrten auch nach Prag kam. Er hat hier sogar gepredigt und seine Zuhörer durch seine Rednergabe mächtig in Bann geschlagen, mehr aber noch durch seine mystischen Anschauungen. Am merkwürdigsten war seine Behauptung, er verkehre 358 16

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