Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 361)
- Language
- German
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Mitregenten Maria Theresias, Josef, gestärkt worden sei, eine Stütze. Die Anklageschrift Galinskis, die bei der österreichischen Zentralbehörde unter den Tisch fiel, ist jedoch eine wichtige Quelle, die über die Lebensweise Franks in Brünn Licht verbreitet. Das von Galinski gezeichnete Bild sticht naturgemäß von der Schilderung aus der Feder der Brünner Gubernialbeamten ab; diese glaubten, Frank lebe von dem Ertrage seiner Güter in Polen und in der Türkei, und sahen nicht oder wollten nicht sehen, wie Frank die Mitglieder seines Gefolges militärisch organisierte, wie er sie uniformierte und eine militärische Disziplin unter ihnen einführte. Galinski verrät, daß Frank in Brünn von Kutschern, Stallknechten, Husaren, Ulanen und anderen Mitgliedern seines zahlreichen Gefolges beiderlei Geschlechtes umgeben war, durchwegs getauften Juden. Alle vierzehn Tage kamen zu Frank Männer und Frauen vom Lande mit Geld, Pferden und anderen Geschenken. Alle gehörten seiner Sekte an. Sie küßten Frank die Füße. In Brünn verblieben sie gewöhnlich einige Tage und dann kehrten sie wieder in ihre Heimat zurück, um die nächsten vierzehn Tage von neuen Verehrern Franks abgelöst zu werden, die wieder neue Gaben und Geld brachten. Das war die wirkliche Lebensweise Franks und die wahre Quelle seiner Einnahmen; so lauten auch die Berichte aus späteren, glaubwürdigen böhmischen Quellen, auf die wir später noch zurückkommen werden. Und es ist seltsam, wie die Brünner Stellen dies alles übersehen konnten, was an Franks Hofe vorging, wo immer neue fremde Besucher erschienen, und daß sie sich keine Gedanken über die kostspielige Lebenshaltung machten, durch die Frank in Brünn alle Welt verblüffte. Die kargen Nachrichten Galinskis über das Treiben an Franks Hofe in Brünn finden sich reicher ausgeführt in dem bekannten Werke von Beer (Bd. II, S. 324), dessen Autor sehr gut unterrichtet war. Nach Beer wuchs angeblich Franks Gefolge auf einige hundert Personen an, durchwegs junge und schöne Männer und Frauen. Beer weiß auch von großen Geldsendungen, die Frank unter bewaffneter Bedeckung von seinen Anhängern in der Fremde und namentlich in Polen zugeschickt wurden. Seine Auffahrten in die Stadt oder zum Gottesdienst waren höchst 23runkvoll und standen an Glanz und Zahl des Geleites den Aufzügen von Souveränen kaum nach.26 Seinen Brünner Aufenthalt, den wir hier fragmentarisch geschildert haben, brach Frank im Jahre 1786 ab und übersiedelte mit seinem Gefolge weiter gegen Westen in die rheinländische Stadt Offenbach bei Frankfurt am Main, wo er das dortige Schloß erwarb und die in Brünn angenommene Lebensweise fortsetzte. In Offenbach beginnt der letzte Akt in der Geschichte des Frankismus; diese Phase übte durch ihre er- 15 357