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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 355

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 355 (sequence 359)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--4161-2648510
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Spannung ging so weit, daß Frank dem Landesgubernium anonym als gefährlicher Mensch geschildert wurde. Diese Beschuldigung vermochte jedoch das Vertrauen des Landeshauptmannes zu Frank nicht zu erschüttern und er begründete sein Vertrauen mit den Worten: „da die hierinfallige jüdische Angeber die angeführte Gefährlichkeit nur in Wörthern und nicht in der Thätigkeit bezeigen konten und ich hingegen eines anderen überwiessen bin, so habe ich hierauf keine Rücksicht genohmen". Hier gab wiederum das formal tadellose Auftreten Franks und seine zur Schau getragene Frömmigkeit vor den erbitterten und nervösen Anzeigen den Ausschlag, so daß die Behörden, die in das Wesen der Sache keinen Einblick hatten, auf diese Denunziationen keinen besonderen Wert legten. Den größten Gegner Franks während seines Aufenthaltes in Brünn und überhaupt in den österreichischen Ländern stellte sein ehemaliger Anhänger Jakob Galinski dar. Er stammte aus der ostgalizischen Gemeinde Glina bei Lemberg, wo er ursprünglich auch Rabbiner war. Bald wurde er jedoch zu einem Bekenner von Franks Lehre und im Geiste der religiösen Taktik Franks empfing er im November 1758 mit der Mehrzahl der Frankschen Anhänger in Lemberg die Taufe. Gelegentlich der Geldsammlung, die damals in Lemberg zugunsten Franks veranstaltet wurde, widmete ihm Galinski 280 Dukaten. Galinski folgte dem Frank nach Czenstochau nach, doch dort kam es zu einer Wendung in ihrem gegenseitigen Verhältnis, Galinski war noch Zeuge des Todes und der Bestattung von Franks Frau und des gegen alle Sitten und die Natur gerichteten Verhaltens ihres Gatten. Da sah Galinski seinen Irrtum ein, schlug sich zu Franks Gegnern und reiste von Czenstochau nach Warschau ab. Für das Auftreten Galinskis gegen Frank waren auch die Verhältnisse in seiner eigenen Familie bestimmend. Die Gattin Galinskis, die aus einer Familie stammte, die den religiösen Grundsätzen Franks blind ergeben war, trug die Unentschlossenheit und den Wankelmut ihres Gatten schwer. In dem Bewußtsein ihrer Pflicht als Gattin machte sie ihn aber doch auf die ihm drohende Gefahr aufmerksam, der „heilige Herr", wie Frank allgemein unter seinen Verehrern hieß, habe den Auftrag gegeben, alle Schismatiker, also auch ihn, zu töten.23 Galinski rettete sich durch Flucht. Er nahm seine Zuflucht nach den österreichischen Ländern, wohin durch ein unverhofftes Zusammentreffen von Umständen auch Frank kam. Die Feindschaft der beiden Männer übertrug sich so nach Wien und nach Brünn. Mehr Verbitterung und Haß lag auf Seiten Galinskis, der schwer daran trug, daß seine Frau Frank treu geblieben war und mit ihm in Brünn als Mitglied seines Kreises lebte. Daher trat etwa im August oder September des Jahres 1776 Galinski mit einer großen Klage gegen Frank auf, die er unmittelbar an die vereinigte böhmisch-öster- 13 355

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