Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 358)
- Language
- German
- Belongs to
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bildung.20 Seinen neugeworbenen „katholischen Glaubensgenossen" widmete er große Aufmerksamkeit und Fürsorge. Zum Beispiel: als einmal ein jüdischer Konvertit, der von Frank für den „rechten Glauben" gewonnen worden wTar und der mit Frank im gleichen Hause wrohnte,21 erkrankt war und sein Gesundheitszustand hoffnungslos zu werden begann, war Frank sehr eifrig um sein Seelenheil besorgt, ließ einen katholischen Geistlichen rufen, der dem Kranken die Beicht abnahm und in der Sterbestunde an seiner Seite weilte. Das war offenbar ein Akt Frankscher Durchtriebenheit, so wollte der selbstherrliche jüdische Messias die landesfürstlichen Behörden über die formalen Frömmigkeitskundgebungen des Handelsmannes und Neophyten Jakob Josef Frank hinwegtäuschen, die ihnen nicht entgangen waren und hinter denen sich, wie die orthodoxen Rabbiner richtig herausgefunden hatten, ganz andere Absichten und Gelüste verbargen. Die letzteren blieben jedoch den Behörden unbekannt und so lautete das amtliche Zeugnis über Frank günstig und schilderte ihn als einen eifrigen Verbreiter der katholischen Religion unter der jüdischen Umwelt. Selbstverständlich war die Franksche Propaganda, mochte sie schon aufrichtig zum Besten des Katholizismus oder im Interesse der eigenen Frankschen Sektiererlehre betrieben werden, den Verfechtern der jüdischen Orthodoxie in Mähren sehr unangenehm; sie strengten sicher alle Kräfte an, um Franks Tätigkeit zu verhindern und ihn womöglich aus Mähren zu entfernen. Wir haben bereits die Wahrscheinlichkeit in Betracht gezogen, daß aus diesen Kreisen wohl die vereinigte Hofkanzlei in Wien ihre Informationen über die ketzerische Vergangenheit Franks in Polen und über seine Lehre erhalten haben mochte. Von einem zähen Kampfe, der in der jüdischen religiösen Welt in Mähren entbrannt sein muß, über den wir jedoch bisher nicht viel wissen, zeugt eine nicht näher verbürgte Nachricht, selbst der Führer des antifrankistischen Kampfes in den böhmischen Ländern, Eleazar Flekelcs, damals Rabbiner zu Kojetein, habe einer alten jüdischen Tradition zufolge Frank in Brünn aufgesucht und ihn gebeten, von seiner abenteuerlichen Verunglimpfung der Juden abzulassen.22 Aus der Natur der Frankschen Kampfmittel und aus der Art seiner Propaganda werden wir verstehen, daß es Flekeles nicht bloß darum zu tun war, daß Frank mit der Verunglimpfung der Juden aufhöre, sondern vielmehr darum, daß er seine Angriffe gegen die orthodoxen Rabbiner mäßige, denen er das Allerschlimmste zum Vorwurf machte, worauf sie begreiflicherweise nicht die Antwort schuldig blieben. Die Feindschaft zwischen den jüdischen Rabbinern und Frank blieb dem mährischen Landesgubernium nicht verborgen; es nahm darauf bereits in dem schon zitierten Bericht vom 4. August 1774 Bezug. Die 354 12