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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 353

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 353 (sequence 357)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--4159-2648508
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großer Herden von Pferden, Rindvieh und Schafen in Ostpolen im Gebiete 30 Meilen von Czernovitz, handle mit diesem Vieh und wolle es verkaufen. Ferner „gestand" er Zollern, er besitze in der Türkei in der Umgebung von Smyrna Güter und beziehe davon alle drei Jahre bedeutende Einnahmen. Er erklärte, er habe nicht die Absicht, in Brünn eine Handelstätigkeit zu entfalten, und wolle von seinem Gelde leben. Auf die Frage, weshalb er Polen verlassen habe und nach Mähren übersiedelt sei, gab er die Antwort, unter dem Einfluß der gegenwärtigen kriegerischen Ereignisse in Polen gehandelt zu haben. Aus den Erhebungen über die Umstände Jakob Josef Franks ergab sich nichts, was auf sein ungeordnetes Leben hätte schließen lassen.17 So erteilte denn (am 16. Juni 1773) das mährische Landesgubernium Frank die Zustimmung zu freiem Aufenthalt in Brünn. Das alles geschah zu einer Zeit, als die landesfürstlichen Behörden noch nichts von der stürmischen und ketzerischen Vergangenheit Franks wußten und ihn für einen aufrichtigen Neophyten hielten. Auf Franks Ketzerei wurde das mährische Landesgubernium aus Wien aufmerksam gemacht. Durch Hofdekret vom 31. Juli 1774 wurde ihm von der vereinigten böhmisch-österreichischen Hofkanzlei das Ergebnis ihrer Informationen über den getauften Juden Jakob Josef Frank bekanntgegeben, der sich nach seiner Entlassung aus Czenstochau in Brünn aufhalte, und das Gubernium wurde ersucht, sein Verhalten zu erkunden und festzustellen, wovon er lebe, ob er irgendwelche Anhänger um sich habe, ob er bemüht sei, unter den mährischen Juden seine Sektiererlehre zu verbreiten usw.18 Woher die Hofkanzlei ihre Informationen geschöpft hatte, läßt sich nicht ermitteln; am allerwahrscheinlichsten war sie auf Grund einer Anzeige seitens der orthodoxen Rabbiner darauf gekommen, die durch das Auftauchen Franks in Mähren und die umsichgreifende frankistische Propaganda sehr aufgebracht waren. In seiner Antwort vom 4. August 1774 bediente sich das mährische Gubernium der Informationen, die es im Vorjahr vom Brünner Kreishauptmann Zollern erlangt hatte und deren Inhalt wir schon früher erwähnt haben.19 Interessant ist jedoch die Antwort des mährischen Guberniums in ihrem zweiten Teile. Wir ersehen daraus, daß Frank während der ganzen Zeit seines Brünner Aufenthaltes ziemlich aufmerksam beobachtet worden war und durch sein Verhalten den besten Eindruck gemacht hatte; wie das Gubernium betonte, verhielt er sich ruhig, friedlich und ordentlich". Tag für Tag besuchte er die katholische Kirche, regelmäßig ging er zur Beicht und zur Kommunion. Er war auch auf die Verbreitung der katholischen Religion bedacht (sie!), für die er einige jüdische Familien gewann, er unterrichtete sie jedoch nicht im neuen Glauben, sondern überantwortete sie stets einem katholischen Geistlichen zur weiteren Aus- 11 358

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