Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 353)
- Language
- German
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nachgeschickt. Der andere Teil von Franks Bekennern sagte sich von den in Warschau verurteilten frankistischen Irrlehren los und ließ sieh neuerdings taufen. Der Zwangsaufenthalt Franks in Czenstochau währte 13 Jahre. Der eine Teil seiner Anhänger teilte sein Geschick, der andere zog bettelnd durchs Land und verbreitete dabei die Lehre von der messianischen Sendung Franks weiter. Frankistische Emissäre schwärmten bis über die Grenzen des polnischen Staates aus, nach Rußland, wo sie nach der bewährten Methode ihres Meisters über die Vereinigung der Frankisten mit der russischen Kirche verhandelten, nach Mitteleuropa, nach Mähren, nach Böhmen, nach Deutschland usw. Die Qefangensetzung Franks war ebenso wie die seinerzeitige Gefangensetzung Sabbatai Zewis der Verbreitung seiner Lehre eher von Nutzen. Der Glaube an Frank nahm noch mehr zu. Frank verstand es, seinen Anhängern zu erklären, seine Gefangensetzung sei eine Notwendigkeit, und er begründete dies durch den Hinweis auf die Heilige Schrift. Zur Zeit, da Frank in Czenstochau festgehalten war, kam es zur ersten Teilung Polens. Die brachte eine günstige Wendung zugunsten Franks mit sich. Als im Jahre 1772 Czenstochau vom russischen General Bibikov besetzt wurde, wurde der dort internierte Frank mitsamt seinen Anhängern in Freiheit gesetzt. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Warschau zu Beginn des Jahres 1773 entschloß sich Frank, Polen zu verlassen und sich zu seinen Anhängern in der westlichen Nachbarschaft, nach Mähren, zu begeben. Franks Entschluß, sein Wirkungsfeld nach Mähren zu verlegen, war wohl überlegt und gut berechnet. Er wußte, daß seine Lehre in Mähren genug Bekenner zähle, auf die er sich verlassen könne. Mähren, eigentlich die mährische Judenschaft, war schon längere Zeit von den Lehren Sabbatai Zewis ergriffen; sie waren hier keineswegs unbekannt. Die geographische Lage des Landes brachte es mit sich: hier führte einerseits der Weg vom türkisch-europäischen Osten nach dem europäischen Norden und Westen, anderseits strebte hieher die westwärts gerichtete polnisch-jüdische Emigration, die zur Zeit der blutigen Pogroms in Polen und in der Ukraine besonders angewachsen war. Diese Emigration brachte manche geistige Elemente des polnisch-jüdischen Mystizismus mit und öffnete auch dem orthodoxen Judentum die Tür in die böhmischen Länder; in Mähren wurde es namentlich durch die großen Rabbiner repräsentiert, z. B. Mendel Krochmal in Nikolsburg. Wir können daher mit vollem Recht annehmen, daß schon das erste Auftreten Sabbatai Zewis, das in unterschiedlichen europäischen Großstädten so großen Widerhall gefunden hatte (z. B. in Venedig, Livorno, Amsterdam, London, Hamburg u. a.), an den böhmischen Ländern 7 349