Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 352)
- Language
- German
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neuen Verfolgungswelle steuerte Frank durch einen neuerlichen Annäherungsversuch an die Christen. Zu Anfang des Jahres 1759 begannen sechs seiner Anhänger mit dem Lemberger Erzbischof Lubienski über die Bedingungen für ihren Übertritt zum katholischen Glauben zu verhandeln. Der Fall von Kamienec Podolski wiederholte sich. Auch Erzbischof Lubienski berief die Anhänger der beiden verfeindeten jüdischen Religionsparteien nach Lemberg zu einer Disputation, die den Auftakt für die feierliche Taufe der Frankisten bilden und ein seltenes Schauspiel für die nicht jüdische Bevölkerung von Lemberg und Umgebung abgeben sollte. Die Disputationen, welche vom 17. Juni bis 10. September 1759 dauerten, brachten jedoch den Frankisten nicht den erwarteten Erfolg. Im Gegenteil, sie gerieten in große Verlegenheit, als nach dem Abschluß die katholische Geistlichkeit sie an die Erfüllung ihres Versprechens mahnte, sich taufen zu lassen. Unter solchen Umständen kam es in Lemberg zu der großen Frankistentaufe: in kurzer Zeit wurden 514 getauft. Frank ließ sich im November des Jahres 1759 zu Warschau taufen; er nahm den neuen Namen Josef an und sein Taufpate war der polnische König August III. Mit Frank wurden auch seine Familienangehörigen getauft.8 Die katholische Geistlichkeit war aber von der Aufrichtigkeit seiner Konversion nicht überzeugt und ließ ihn sorgfältig überwachen. Und so kann bei dem vorgespiegelten Christentume Franks nicht wundernehmen, daß einige seiner Aussprüche den katholischen Klerus gegen ihn geradezu herausforderten. Besonders seine bombastische Behauptung, er sei Herr über Leben und Tod, und wer an ihn glaube, werde in Ewigkeit nicht sterben, waren danach angetan. War einer seiner Anhänger gestorben, so erklärte das Frank in diesem Sinne, der Verstorbene habe an ihn (nämlich an Frank) nicht fest geglaubt. Durch Äußerungen des Zweifels unter seinen Anhängern, die sich darauf schlechterdings einstellten, wurden die zuständigen kirchlichen und politischen Stellen auf seine Aussprüche aufmerksam. Dies und dann ein ziemlich belangloser Vorfall in Zamosc gab den Anstoß zu einem großen kirchenpolitischen Prozeß gegen Frank und dessen Gefolgschaft zu Warschau im Jahre 1760; neben dem Kronkanzler und dem Warschauer Kapitel beteiligten sich daran auch mehrere Bischöfe. Die katholische Geistlichkeit war überzeugt, daß Franks Christentum reine Formsache sei, daß er fortfahre seine messianische Sendung zu predigen und daß das frankistische Dogma von der Dreieinigkeit mit dem scheinbar analogen christlichen Dogma kaum etwas zu tun habe. Frank gelang es nicht, seine Richter von der Aufrichtigkeit seiner Konversion zu überzeugen; er wurde als Ketzer erklärt, nach Czenstochau deportiert und dort zum Zwangsaufenthalt verurteilt, auch ein Teil seiner Anhänger, welcher der Irrlehre ihres göttlichen Lehrers treugeblieben war, wurde ihm dorthin 348 6