Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 351)
- Language
- German
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behauptete, alle seine Vorgänger seien die Metamorphose einer und derselben Messiaspersönlichkeit gewesen. Die Seele des Messias sei nach und nach in der Person des Königs David, des Propheten Elias, Christi und Mohammeds Fleisch geworden, schließlich in der Person von Sabbatai Zewi und dessen Nachfolgern, zu denen sich Frank selbst als letzte Inkarnation des Erlösers zählte. Im Jahre 1755 kehrte er nach Polen zurück5 und in seinen Predigten und bei den Zusammenkünften der ostpolnischen Juden suchte er unablässig nachzuweisen, er sei der Erbe und Nachfolger Berachjas, berufen, die Juden aus der Verdammnis zu erlösen. Den Hauptnachdruck legte er darauf, daß in ihm der ,,heilige König" inkarniert sei, wie er vordem in dem verewigten Sabbatai Zewi Mensch geworden sei, und er ließ sich daher von seinen Anhängern göttliche Ehren erweisen. Seine Anhänger suchten nach der Erkenntnis des wahren Glaubens in den kabbalistischen Schriften und im Sohar, lehnten den Talmud ab und verwarfen im Kampfe mit ihren rabbinischen Gegnern nicht bloß die Ritualvorschriften, sondern auch die Ehegesetze.6 Den Widerstand gegen die um sich greifende Sekte leiteten die orthodoxen Rabbiner. Wenn sie den Bannfluch gegen die neuen Lehren schleuderten, ging dies nicht ohne blutige Zusammenstöße und Unruhen ab. Dadurch wurde die staatliche und geistliche Administrative des Landes geradezu aufgefordert, in die religiösen Streitfragen der Judenschaft schlichtend einzugreifen. Die Verfolgung von Seiten der rechtgläubigen Rabbiner veranlaßte Frank und seine Anhänger, Fühlung mit den Christen zu suchen. Auf die Anregung Franks wandten sich einige seiner Anhänger an den Bischof Dembowski in Kamienec Podolski mit dem Glaubensbekenntnis an die Dreieinigkeit und an die Menschwerdung Gottes und mit dem Ersuchen um Schutz vor den Verfolgungen der Rabbiner. Bischof Dembowski, ein geschworener Feind der Juden, ergriff mit Freuden diese Gelegenheit, um wenigstens einen Teil der Juden für die katholische Religion zu gewinnen. Darum veranstaltete er auch im Jahre 1757 in Kamienec Podolski auf Ersuchen der Frankisten eine große Disputation zwischen den Frankisten und Kontratalmudisten einerseits und den orthodoxen jüdischen Rabbinern und den Talmudisten anderseits. Die Disputation endete nach der Entscheidung des Bischofs mit einem Erfolge der Frankisten, und diese nützten ihn zu einem großaufgernachten öffentlichen Auftreten und zu einer rücksichtslosen Verfolgung ihrer talmudistischen Gegner und zur Vernichtung der talmudistischen Bücher aus.7 Erst der plötzliche Tod des Bischofs Dembowski setzte dem Treiben der siegreichen Frankisten ein Ende. Ja, jetzt kehrte sich das Blatt um und die bisher verfolgten Rabbiner begannen als Verfolger aufzutreten und den Frankisten die erlittene Unbill heimzuzahlen. Der 5 347