Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 350)
- Language
- German
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seinen Anhängern abgeschnitten, den Rest seines unruhigen Lebens bis zu seinem Tode im Jahre 1676 zubrachte.1 Die Lehre, die Sabbatai Zewi mit ziemlichem Erfolge verkündet hatte, wurde nach seinem Tode keineswegs aufgegeben. Einige Zeit setzte seine Tätigkeit der Hauptpropagator des Sabbatismus in Europa, Nathan von Gaza, fort (gest. 1680). Nach ihm warf sich als Haupt der Sabbatianer Abraham Michael Cardoso auf (1630-1706); unabhängig von ihm blieb eine Gruppe treuer Schüler Sabbatai Zewis in Saloniki, an deren Spitze Sabbatai Zewis Schwager Jakob Zewi recte Jakob Keredo und nach ihm dessen Sohn Berachja stand (1695-1740) und die nach dem Vorbild ihres ersten Lehrers, im Bestreben, Verfolgungen von der türkischen Regierung zu vermeiden, zum Schein zum Islam übertraten, ohne dabei ihre kabbalistisch-mystische Anschauung und Überzeugung, Nachfolger des Messias zu sein, aufzugeben. Das kam fast der Ausbildung einer eigenen jüdisch-mohammedanischen Sekte gleich, darin die ursprüngliche Lehre Sabbatai Zewis unter der Überbürdung mit islamischen Formalitäten unterzugehen drohte, wäre sie nicht zu neuem Glanz und verjüngter Stoßkraft erweckt worden durch das Auftreten des polnischen Juden Jakob Frank, der zum letzten großen Künder der Gottheit Sabbatai Zewis, seiner Nachfolger und seiner selbst wurde. Jakob ben Jehuda Löb Frank (1726-1791) war ein Rabbinerssohn aus Korolowka in Podolien.2 Hier hatte schon früher die Lehre der Sabbatianer mächtig eingewirkt und tiefe Wurzel geschlagen. Auch Franks Vater Jankiew Lejbowicz war davon nicht unberührt geblieben. Von den rechtgläubigen Rabbinern entlarvt, war er gezwungen worden samt Familie in die Walachei und von da weiter südlich in die Türkei auszuwandern. Während seines Aufenthaltes in der Walachei fristete der junge Jakob Frank sein Leben als Handlungsgehilfe und später als Hausierhändler und verheiratete sich im Jahre 1752 in der Stadt Nikopolis mit einer gewissen Chana, der Tochter eines einheimischen Handelsmannes. In der Türkei hielt er sich am längsten in Saloniki auf.3 Hier kam er mit den mohammedanischen Sabbatianern in enge Berührung. Frank nahm ihre Lehre an und vollzog nach ihrem Beispiel den formalen Übertritt zum Islam. Damals nahm er auch den Namen Jakob Frank an, unter dem er in der Geschichte bekannt ist.4 Und in Saloniki verfiel Frank auf den Gedanken, unter der Behauptung, der Nachfolger des verewigten göttlichen Führers der dortigen Sabbatianer Berachja zu sein (daß Berachja schon im Jahre 1740, also etwa zwölf Jahre vor Franks Ankunft in Saloniki gestorben war, verschlug ihm nichts), die Führung der ganzen Sekte an sich zu reißen, und er verlieh dieser Vorspiegelung durch immer kühnere Behauptungen von seiner Gottheit und seiner messianischen Sendung auf Erden stets frischen Nachdruck. Er 346 4