Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 349)
- Language
- German
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Behörden Polens darauf aufmerksam wurden. Jakob Frank ließ damit in Europa eine ältere Irrlehre aufleben, mit der vor mehr als einem Jahrhundert vorher unter den türkischen Juden der Smyrnaer Landsmann Sabbatai Zewi (geb. 1626 zu Smyrna, gest. 1676 zu Dulcigno in Albanien) hervorgetreten war, der Stifter einer mystischen Sekte, die nach ihm als die Sekte der Sabbatianer bezeichnet wird. Sabbatai Zewi war zu seiner Lehre durch eindringliches Studium der jüdischen kabbalistisch-mystischen Schriften gelangt; sie wurden zu einem Großteil entscheidend für seinen Entschluß, sich im Jahre 1648 als Messias zu proklamieren, und für das sturmbewegte Schicksal, das ihm und seinen Anhängern beschieden war. Es war nur die natürliche Folge des Auftretens Sabbatai Zewis, daß ihn die rechtgläubigen Rabbiner mit dem Bannfluch straften und daß er in der Türkei unstet von einem jüdischen Hauptort zum andern wandern mußte (Sabbatai Zewi lebte auch längere Zeit in Jerusalem und in Ägypten). Doch diese Wanderungen waren gleichzeitig Propagandareisen dieses Messias aus eigenem Drange, bis er schließlich im Jahre 1666 feierlich in seine Heimatstadt Smyrna zurückkehren konnte. Das Auftreten Sabbatai Zewis rüttelte das Gewissen der gesamten europäischen Judenschaft auf, namentlich das der türkischen Judenschaft; ihr in der Zeitlage begründeter Hang zu mystischer Grübelei erhielt noch reichliehe Nahrung durch die Schreckensnachrichten von Kosakenprogoms gegen die Juden in der Ukraine und in Polen. Unter dem Eindruck dieser Heimsuchungen entwickelte sich unter den polnischen Juden in einer nie dagewesenen Weise der messianische Gedanke, der dann das Geistesleben in den Nachbarländern und besonders in der Türkei beeinflußte, wohin eine Menge Flüchtlinge aus der Ukraine und Polen ihre Zuflucht genommen hatte. So erfuhr die messianische Lehre Sabbatai Zewis neuen, wertvollen Auftrieb. Noch mehr nützte der Sabbatianerpropaganda eine vorübergehende Verfolgung seitens der türkischen Regierung; aus Furcht vor politischen Auswirkungen seiner Lehre hatte sie nämlich den Smyrnaer Messias auf der Festung Abydos an den Dardanellen und an anderen Orten gefangen halten lassen, bis sie ihn veranlaßte, zum Islam überzutreten, um durch sein Beispiel alle türkischen Juden zum Islam zu bekehren. Ein Großteil seiner Anhänger folgte seinem Beispiel und trat äußerlich zum Islam über. Auch bei diesem Schritt war die messianische Überzeugung ausschlaggebend, durch vorübergehende Drangsal infolge des Abfalls wolle der Messias sein Volk von allen Sünden reinigen. Weil aber Sabbatai Zewi auch dann nicht davon abließ, seine mystischen Anschauungen zu verkünden und sieh als Messias und Erlöser der Menschheit auszugeben und immer neue Scharen jüdischen Volkes in der Türkei an sich zu ziehen, so wrurde er von den türkischen Behörden in das albanische Städtchen Dulcigno deportiert, wo er, von 3 345