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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 341

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 341 (sequence 345)
Language
German
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Israel und Juda, der große Gaon, R. Jomtob genannt R. Lipmann, sein Licht leuchte. Wir wollen vorher schreiben, wie die Ereignisse sich zugetragen haben. Es war in den Tagen Mathias, des römischen Kaisers, der herrschte in Deutschland, Ungarn und Böhmen. Im Jahre 378 nach Erschaffung der Welt (1618) zog er von seiner Residenz in der Hauptstadt Prag nach der Stadt Wien; da erhob sich ein Teil der Fürsten und Vornehmen Böhmens, verschworen sich und zogen gegen die feste Burg hier in Prag, wo die vornehmen Beamten des Königs, die an der Spitze der Regierung Böhmens standen, ihren Amtssitz hatten. Sie nahmen drei von ihnen, warfen sie durch das Fenster in die Tiefe und schössen nach ihnen; diese aber wurden gerettet und starben nicht. Als die Aufständischen einsahen, daß sie bei ihrem Könige, dem Kaiser in üblen Geruch gekommen waren, da setzten sie dreißig Vornehme als Beamte ein und sammelten ein zahlreiches Heer; auch der Kaiser sammelte sein Heer und so herrschte ein heftiger Krieg zwischen ihnen. Als im Jahre 379 (1619) Kaiser Mathias gestorben und an seiner statt Ferdinand us der Sohn seines Oheims, des Herzogs Karolus zum Kaiser gewählt worden war, den die Böhmen und Ungarn noch zu seinen Lebzeiten zu ihrem Könige gesalbt hatten, damit er nach dem Tode Kaiser Mathias herrsche, da empörten sie sich auch gegen diesen und ernannten zu ihrem Könige, den Pfalzgrafen Friedrich, einen der Kurfürsten und krönten ihn und seine Frau, die Tochter des englischen Königs hier zu Prag im Cheschwan 380 (November 1619). Dieser kämpfte mit Kaiser Ferdinandus und das kaiserliche Heer verfolgte ihn und sein Heer, so daß am Freitag, dem 10. Cheschwan 381 (6. XI. 1620) Bestürzung in der ganzen Stadt herrschte, da es hieß, das kaiserliche Heer sei schon nur eine Meile von Prag entfernt. Am Donnerstag, dem 12. Cheschwan bei Tagesanbruch kam es zum Kampfe und viele Juden mußten an den Wällen und Gräben — Schanzen genannt — arbeiten. Der Kampf am weißen Berge — der vor Prag liegt — wurde heftiger, bis gegen Abend die Kaiserlichen die Oberhand gewannen und die Böhmen schwer schlugen gegen 10.000 Mann, die übrigen flohen ins Gebirge durch die Weinberge, die rings um die Stadt waren und sie verfolgten sie bis ans Tor. In dieser Nacht floh der Schlaf die Kriegsleute, sie wußten nicht mehr ein und aus, und da sie sich fürchteten auf der Festung zu bleiben, zogen die Soldaten alle mit dem König und der Königin, die sie sich gewählt, in die Altstadt. In derselben Nacht kam das kaiserliche Heer in die Burg und auch die Kleinseite schloß Frieden mit ihnen. Am Montag, dem 13. Cheschwan (9. XI.) zeitlich morgens floh ihr König Friedrich mit seiner Gattin und all ihren Leuten, um sich zu retten, sie flohen aus dem Lande. Diesen ganzen Tag und auch den nächsten Tag, Dienstag, den 14. Cheschwan schlössen die Männer der Altstadt, in deren Mitte wir wohnen, nicht Frieden, auch die Neustadt hatte noch keinen Frieden geschlossen und so waren wir in arger Sorge bis gegen Abend der Frieden verkündet wurde. Und Gott ließ uns Gunst und Gnade finden vor den Befehlshabern des Heeres und sie stellten Wächter in unsere Gassen, denn so hatte es der Kaiser, seine Ehre werde erhöht, Gott, gepriesen sei Er, vergelte ihm seine Güte, jedem Heerführer befohlen, daß keine Hand angelegt werde an einen Juden, weder an seine Person, noch an sein Vermögen, sie sollten vielmehr auf beste Weise geschützt werden. Ungefähr einen Monat lang wurden die „Häuser voll alles Guten" beraubt und ausgeplündert, gegen die Juden erhoben sie aber nicht ihre Hand. Darum wurden alle Worte dieses Schreibens festgesetzt und übernommen von den Weisen Prags, den Häuptern und Führern mit Zustimmung des Vaters des Gerichtshofes, des Gaons R. Jesaia s. g. L, der in das heilige Land gezogen ist, den 14. Tag des Monats Cheschwan zu machen zu einem Tage der Erinnerung an die Wunder Gottes, gelobt sei Er, sie zu erwähnen im Gebet mit Dank, und an diesem Tage Lösegeld für sich zu geben zum Zwecke der Befreiung Gefangener, und zu fasten bis nachmittags, sowohl Männer wie Frauen, denn auch auf diese erstreckte sich das Wunder. Gegen Abend wollen wir uns erheben von unserem Fasten und jubeln und uns freuen seiner Hilfe." 5. 10. Jjar. An diesem Tage wird in Nachod in besonderem Gebete des großen Brandunglückes vom 10. Jjar 5420 (17. Mai 1660) gedacht. 35 341

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