Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 344)
- Language
- German
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ANHANG Sonstige jüdische Gedenktage in Prag und Böhmen 1. Der Tag nach dem Schabuothfeste wurde wegen der „Geseras Pauker44 in Prag als Büß und Gedenktag gefeiert. Das Rituale für diesen Gedenktag ist enthalten in den Selichot der Prager Alt schul. Näheres über diese Verfolgung, über die Zeit, wann sie stattfand, ist nicht bekannt (Lieben, Denkmäler jüdischer Tragödien in ,,Zelt44, S. 242). 2. Der 8. Tag des Pessachfestes zur Erinnerung an den großen Judenpogrom 1389. Am Tage nach dem Feste wird in den Synagogen die historisch bedeutungsvolle Selicha des Augenzeugen R. Abigdor Karo recitiert. Wohl mit Rücksicht auf frühere Verfolgungen, vielleicht auf die ,,Geseras Pauker44 wird diese Verfolgung in den Selichoth nach dem Ritus der Prager Altschul ,,junke gesera" genannt (Lieben, a. a. O.). 3. Der 2. Adar, zur Erinnerung an den für die Prager Judenstadt glimpflich verlaufenen Einfall des Passauer Kriegsvolks 1611. Ich gebe in Folgendem das Titelblatt des Erstdruckes der Bußgebete für diesen Tag wieder, der den Sachverhalt genau schildert: „Es geschah im 6. Jahrtausend, im Jahre 5371 (1611) nach Erschaffung der Welt am Dienstag, dem 2. des Monats Adar, da war hier in der heiligen Gemeinde Prag große Bestürzung unter den Fürsten des Landes, wegen des Heeres der Passauer, die gekommen waren, die Stadt zu erobern, es gelang ihnen wohl nicht; aber es wütete an diesem Tage ein heftiger Kampf. Große Verwirrung war unter dem Volke und Israel war in gewaltigem großen Schrecken; Gott aber rettete sie in seiner Barmherzigkeit. Darum haben alle Einwohner der heiligen Gemeinde Prag und der Umgebung es auf sich genommen zu gedenken der Gnade Gottes von Jahr zu Jahr an diesem Tage zur Erinnerung im Tempel Gottes an all das Gute, das er uns vergolten in diesen Zeiten und diese drei Selichoth im Achtzehngebete zu sprechen und an diesem Tage bis Mittag zu fasten und von Gott zu bitten für sein Volk, daß er Gutes uns tue in jeglichem Geschlechte. So sei es sein Wille." Diese Selichoth hat der große Gaon, der Fürst in Israel, das Haupt der Redner allenthalben, das Haupt der Methibtha (Hochschule) der heiligen Gemeinde Prag, R. Salomo Efraim, der Gerechte lebe, Sohn des gelehrten R. Aron? das Andenken des Gerechten zum Segen, verfaßt mit Zustimmung der Vornehmen, der Häupter und Edlen und Führer der Gemeinde und mit Zustimmung der Fürsten der Gerichtshöfe der heiligen Gemeinde Prag. Verfaßt hat sie der erwähnte Gaon im Jahre 373 und seinen Namen am Schlüsse der ersten Selicha gefertigt. Gedruckt zu Prag im Jahre 373 der kleinen Zählung (1613) unter der Herrschaft Kaiser Mathias. Der Druck begann am Donnerstag dem Neumond Adar und wurde beendet Freitag Neumond Adar. Drucker: Jakob, Sohn des Gerschon Bäk. Juda, Sohn des Alexander Kohen, genannt Leb Setzer aus Prag. 4. Der 14. Cheschwan dient der Erinnerung, daß der Einzug der Kaiserlichen nach der Schlacht am weißen Berg nach Prag am 10. November 1619 ohne die gefürchteten Exzesse gegen die Juden erfolgte. Dr. A. Kisch hat in seiner bereits vergriffenen Schrift „Die Judenstadt während der Schlacht am weißen Berg" über die Bedeutung dieses Tages, den er auch in die Zahl der ,,Prager Purim" aufnehmen will, eingehend geschrieben, und die Einleitung der Selichot für diesen Tag zum größten Teil übersetzt. Ich übersetze sie in Folgendem und glaube, daß — nach den Worten der Einleitung — dieser Tag nicht als Purim anzusehen ist. „Selichoth, die man hier sagt in der heiligen Gemeinde Prag am 14. Cheschwan, verfaßt von dem Gaon, dem Vater des Gerichtshofes und Leiter der Jeschiwa der heiligen Gemeinde Prag, dem Verfasser des Tossafot Jomtob, sein Name ist bekannt in 340 34