Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 330)
- Language
- German
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weiser Mann und weiß wohl, daß um unserer vieler Sünden willen bei uns Juden einer dem anderen keine „Größe" vergönnt, und einer den anderen erniedrigt mit Lügen und Verleumdungen. Und sie gieng auch zu Ihro Excellenz der verwittweten Frau Gräfin von Martinicek44 und zu Ihre Excellenz die verwitwete Frau Gräfin von Weissenwolf und zu Ihre Excellenz die verwittwete Frau Gräfin von Türheim und weinte vor ihnen bitterlich und bat, sie sollten bei unserem gnädigen Herrn, dem Kaiser eine hochansehnliche Fürbitte tun, damit R. Samuel im Gericht gehört werden soll, weil das nicht so ist, sondern er sich in der Sache ganz gerecht weiß. Die Herren und Frauen vom Adel haben der Frau Ester zur Antwort gegeben, man solle ein Memorial an unseren Herrn den Kaiser verfertigen, und dies ihr Begehren bei unserem Herrn dem Kaiser untertänigst ansuchen und sie wollten auch Gutes darbei tun, aber ein Teil der Adeligen haben das falsche Anbringen geglaubt und die Frau Esther gewarnt, daß sie in diesen Sachen nicht reden und sich nicht einmischen soll, damit sie dadurch nicht auch einbüßen sollte. Da ging die Frau Esther wieder zu R. Samuel ins Gefängnis und erzählte ihm die Reden der Herren und Damen vom Adel, da hat R. Samuel befohlen, weil der Graf Wrbi45 Apellations-Rat von Prag jetzt allhin in Wien ist, soll man sehen, durch ihn ein Stafette nach Prag zu schicken und sein Schekerbilbul bekannt zu machen. So schreibt Chajim Tausk einen ausführlichen Brief an den vornehmen R. Abraham, Sohn des vornehmen R. Libermann Lasch46 Tob hakohol, wie es mit R. Samuel steht und verlangt um Gottes willen mit klugen und weisen Männern eine Beratung zu halten und zwei vornehme angesehene Leute in Stadlonus24 zu schicken nach Wien, damit man R. Samuel nebich kann retten von solchen lügenhaften Beschuldigungen und solchen Brief schickte der gnädige Graf Wrbi mit einer Stafette nach Prag. Am Sonntag, den 8. Tewes sind die Briefe in Prag angekommen und wie der vornehme R. Abraham Lasch den Brief eröffnet und gelesen, ist er fürchterlich erschrocken und gieng gleich zu dem Vorsteher dem vornehmen gelehrten Rabbiner Chajim Todros47 und las ihm die böse Nachricht vor, wie der Rabbiner R. Chajim das hörte, schrie er bitterlich und sagt, weh geschrien, das Schekerbilbul betrifft nicht R. Samuel allein, sondern alle Juden, wo immer sie zerstreut sind. So hat der Rabbiner R. Chaim mit R. Abraham Lasch Rat gehalten und sagen, Gott g. s. E. wird bei und mit uns sein, da er ein Gerechten nicht verläßt und schicken gleich und lassen mehr kluge und weise Männer und Freunde des R. Samuel zusammenberufen, Rat zu halten und zwar den Vorsteher, den vornehmen R. Jakob Jeruschalmi,48 den vornehmen R. Leb Karpels,49 den vornehmen R. Leser Wiener,50 den vornehmen R. Leb Wiener51 und R. Gumprecht Leitmeritz52 Procurator, ist von ihnen beschlossen worden, 326 20