Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 329)
- Language
- German
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wollen, endlich auf ihr starkes Lamentieren und Bitten sagt er ihr, daß es auf Befehl des Stadtkommandanten Obiille39 geschehen sei, darauf hat die Ester dem Wachtmeisterleutnant alle Schriften R. Samuels gegeben mit Ausnahme sein Kastel, worin etliche Tausend Taler Geld gewesen und die Altschul und Privilegien, das hat sie nicht geben wollen und Bürgschaft dafür getan. Inzwischen ist der R. Abraham Metz auch ins Gefängnis gekommen und der Bachur Hirsch hingegen frei geworden. So setzte man R. Samuel Tausk in eim kleines Zimmer ins Gefängnis am Markt Peterhof auf der Hauptwache, das vollkommen abgesperrt war, selbst die Fenster, die eiserne Gitter gehabt haben, waren mit eisernen Laden verschlossen und vor ihn ins Gefängnis wurde ein Soldat mit bloßem Schwert gestellt, um Wache zu sein und man wollte niemand, nicht einmal die Frau Ester zu ihm hineinlassen, und den erwähnten R. Abraham hat man in ein besonderes Gefängnis zu den Soldaten gegeben, da lief der erwähnte Chajim Tausk zu dem berühmten vornehmen R. Mendel Oppenheim42 und schreit und weint und erzählt ihm, wie es mit R. Samuel Tausk hergeht und erbittet, daß er zu dem erwähnten Marquis Ochil gehe und ihn fußfällig bitte, daß er ihm sagen solle, was R. Samuel gesündigt hat und, warum er gefangen genommen. So gieng auch R. Mendel wie auch Frau Ester zu erwähntem Marquis Ochil und bitten ihn, er sollte sie die Sache wissen lassen, der Marquis aber antwortete, er wisse weiter nicht warum, sondern es war ihm von unserem Herrn dem Kaiser, wie er gestern in der Nacht die gewöhnliche Parole abzuholen gegangen, allergnädigst anbefohlen worden, aber die Ursache weiß er nicht. So bittet die Frau Ester nochmal, er sollte ihr erlauben, in das Gefängnis zu R. Samuel zu gehen, damit ihn da trösten könnte, daß er sich das Leid nicht zu Herzen nehmen solle und bittet auch, daß er erlauben soll, daß der Chajim Tausk soll dürfen ins Gefängnis Essen bringen, weil kein anderer als ein Jude das Essen bringen muß, der Marquis hat ihre Bitten erlaubt unter der Bedingung, daß sie nicht laschon hakodesch, sondern deutsch mit ihm reden soll, damit der Wächter die Rede verstehe. So gieng Frau Ester ins Gefängnis zu R. Samuel, und R. Samuel bat sie, sie möge seinetwillen zu ihren bekannten Fürstlichkeiten gehen und von ihnen zu erfahren suchen, warum er verhaftet worden, was seine Schuld und Verfehlung sei. Am Freitag den 6. Tewes hat die Frau Ester erfahren, daß R. Samuel angegeben worden sei bei unserem Herrn dem Kaiser, daß er hätte korrespondiert und Briefe gewechselt mit Frankreich. Darauf gieng sie gleich zu titul. Ihro Excellenz Herrn Herrn Grafen Kinsky Kanzler,43 weil derselbe R. Samuel gar wohlbekannt und all seine Tage nichts Übles von ihm erfahren, dieser Adelige ist an sich ein sehr kluger und 19 325