Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 320)
- Language
- German
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5. Im Jahre 453 d. kl. Z. hat man müssen so große Steuern geben, daß nimmer möglich gewesen ist, sie auszustehen und irgendwoher zu nehmen. So hat R. Samuel erwirkt, daß unser gnädiger Herr, der Kaiser s. E. w. e. uns Gnade erwiesen hat und den Juden aus seinem eigenen Rentamt hat 22.000 leihen lassen, die Steuern im königlichen Obersteueramt damit zu bezahlen. Und solche 22.000 sollen die Juden jährlich mit geringen Terminen im Rentamt bezahlen, daß man auch bis dato daran bezahlen tut. 6. Sind immerzu über die Steuersumme große Streitigkeiten gewesen, daß viele Leute haben das Steuerjoch von sich abgeladen und anderen auferlegt. Damit aber jeder Steuern geben soll nach seinem Können und Vermögen, damit jeder es soll aushalten können, hat R. Samuel sich darum bemüht und es zu Wege gebracht bei unserem Herrn dem Kaiser s. E. w. e., daß der Sekum (die Steuersumme) aufgelassen worden ist, sondern jeder soll sein Perdon vom Handel und Gewinn geben. Und dazu sind 12 Mann von den Vorstehern bestimmt worden, diesen Perdon einzunehmen und alle Steuern und Ausgaben der Gemeinde davon zu zahlen, wodurch alle Streitigkeit gestillt worden ist und, jedermann ist mit dieser guten Einrichtung zufrieden, weil der heiligen Gemeinde dadurch große Ausgaben erspart werden. Man muß auch wissen, daß im Jahre 463 wie unser Herr der Kaiser s. E. w. e. die Stadt Landau von dem Könige von Frankreich erobert und eingenommen hat,27 sich bei der kaiserlichen Armee ein Jude aus Polen namens Salomo Weisskopf aufgehalten und mit seiner List sich bei einem hohen Minister bekannt gemacht hat, nachher kam dieser Weisskopf nach Prag zwar mit zerrissenen Kleidern, hat sich aber dennoch den Ruf gemacht, daß er beim kaiserlichen Hof und bei hohen Fürstlichkeiten persona grata sei, er habe einen Brief von einer vornehmen hohen Fürstlichkeit zu Händen unseres Herrn des Königs Josephus s. E. w. e. bei sich. Dieser Brief sei mit dem Siegel des erwähnten Ministers versiegelt und er hat deswegen bei den Herren der Statthalterei i. E. w. e. angehalten und begehrt, man soll ihm von kaiserlichen Geldern zur Beihilfe seiner Reiseunkosten, da er notwendig nach Wien reisen muß, mitgeben, weil an dem Brief sehr viel gelegen sei. Die Herren der Statthalterei i. E, w. e. haben ihn mit ihr großer Weisheit verbeschieden, daß, wenn die Sache so wahr ist, so wollen sie selbst diesen Brief durch eine eigene Stafette an unseren Herrn den König s, E, w. e. nach Wien schicken, weil aber der Salomo Weisskopf darauf nicht eingehen wollte, haben sie sein Verlangen und Begehren abgeschlagen. Wie aber der gute Weisskopf gesehen hat, daß seine Absicht ihm fehlgeschlagen, so hat er sich an die Gemeindevorsteher von Prag herangemacht und von obgemeldeten R. Samuel Tausk verlangt, 316 10