Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 314

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 314 (sequence 318)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4120-2648469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

auch, daß das Verbot des Abhaltens von Deraschot (Vorträgen) an Sabbaten und Festtagen in den Synagogen wieder aufgehoben wurde. Und diesem Manne, der in seiner Opferwilligkeit nicht viele seinesgleichen hatte, erstand ein Widerpart in einem unbedeutenden ehrgeizigen Menschen namens Ris, der den Umstand, daß er in Prag angesehene Verwandte besaß und sich der Protektion des Königs von Preußen erfreute, dazu ausnützen wollte, unbedingt ein Amt, eine Würde in der Prager Judengemeinde zu erlangen. Hatte er sich schon als Darschan (Vortragender, Prediger) so unmöglich gemacht, daß ihn die Zuhörer erst verlachten, dann aber ganz wegblieben, so wollte er später um jeden Preis in den Vorstand der Gemeinde gelangen, ja es sollte seinetwegen die Zahl der fünf „Eltisten" um einen vermehrt werden. Und tatsächlich enthalten die Akten des Min. d. Innern gar manche Notiz über unseren Ris, so unter Sign. N. M. P. 17/1, ein Hofdekret vom 4. Mai 1700, in dem mitgeteilt wird, daß der churfürstlich Brandenburgische Anwalt im Namen seines hohen Prinzipalen den Juden Aron Rieß als des churfürstlichen Hofjudens Coppel Rießens Sohn recommendirt habe, mit dem Ersuchen, damit durch unsere Vermittlung demselben der Platz eines Judenältesten bei der bevorstehenden Wahl zu Prag angedeyhen möchte. In einem Akte d. d. 1. XI. 1704 wird berichtet, daß Aron Rieß wegen ex diversis capitibus wider ihn angestrengten Inquisition nach Brandenburg entwichen ist. Im Stadtarchiv, Liber decr. 762, S. 148, ist sogar ein Erlaß Leopold I. vom 12. VII. 1703 eingetragen, in dem Ahron Rieß, Juden ober Eltisten zue Prag, der sich wider die ihn verfolgende Judenschaft beschwerdt, Schutz gewährt werden soll. Das ist das Charakterbild des Mannes, dem es durch seine verbrecherischen Mittel gelang, den unantastbaren, von der ganzen Judenheit geschätzten Primus von Prag in schwerste Lebensgefahr zu bringen; doch lassen wir die Megillath Samuel, diesen Tatsachenbericht sprechen: IV.| Text der Megillath Samuel. Titelblatt: Megilat Samuel, der Primus von Prag. In dieser wird erzählt, die Wunder die Gott gelobt sei er in der Fülle seiner Barmherzigkeit und Gnade, dem Haupte dem Führer und Parnas, dem berühmten Stadlan24 k. h, r. r.25 Samuel Tausk, Rosch hakohol und Primus der heiligen Gemeinde Prag und der Gesamtheit Israels im Jahre 464 (1704) getan hat, wie er von Schekerbilbul errettet worden ist. Der Heilige, gelobt sei Er, soll weiter ganz Israel retten und unseren Erlöser senden. 314

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.