Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 309

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 309 (sequence 313)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4115-2648464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

hatte — bestanden auf strenger Bestrafung Edels. Edels sollte ins Gefängnis geworfen werden; sein Schwager Nathan Kuh ging mit ihm zu dem Kaiserrichter und wollte sich für ihn verbürgen. Da fragte ihn der Richter, wie heißt du?, er antwortete Nathan Krava und der Richter sagte, du sollst nicht mehr Krava heißen, sondern Ochs, da du dich für Edels, der sein Leben verwirkt hat, verbürgst und also dein eigenes Leben verwirkst. Darauf lief Kuh erschreckt davon und lehnte die Bürgschaft ab, er gab dann aber einen Wechsel, den Edels binnen 4 Wochen zu zahlen hatte im Betrage von 1000 fl. dem Richter. Sollte Edels nicht rechtzeitig zahlen, so müßte er ins Gefängnis. Am Neumond Schewat — dem Verfallstage — konnte Edels nicht zahlen und wurde sofort gefangengenommen. Da nahm sich seiner Moses Geizvogel, den er selbst einmal aus Lebensgefahr gerettet, an und verwendete sich beim Kammerpräsidenten Grafen Berka, bei dem er großen Einfluß hatte, zu Gunsten Edels. Graf Berka verlangte schriftlich vom Kaiserrichter die Freilassung Edels, der sie verweigerte. Geizvogel ging nochmals zum Grafen Berka, der aber bei einem hohen Fürsten eingeladen war, Geizvogel ging auch in das Palais dieses Fürsten und läutete solange, bis der Glockenstrang abriß; er kam dann vor und berichtete. Graf Berka erzürnte und gab ihm nochmals einen Brief an den Kaiserrichter mit, in dem es hieß: Entlasse den Juden sofort, andernfalls bist du morgen nicht mehr Richter. Geizvogel kam zum Altstädter Rathaus, dieses war geschlossen; doch da kamen gerade Soldaten in die Stadt, es war finster und es regnete. Die Soldaten hatten kein Nachtquartier, da schlugen sie einfach die Tore des Rathauses ein, um dort zu übernachten. Mit den Soldaten gelangte Geizvogel ins Rathaus und zeigte dem Richter das neuerliche Schreiben Graf Berkas; aus Angst um sein Amt entließ er sofort den Edels mit einer Ermahnung und so kam er in der Nacht des 7. Schewat wieder in seine Wohnung. Nach einigen Tagen kam Geizvogel mit Edels zum Grafen Berka, um ihm zu danken, und brachte ihm ein Dutzend Früchte, genannt Zitronen, und einen Hut Zucker als Zeichen ihrer Dankbarkeit mit. Einige Zeit hernach verunglückte der Baumeister, der Feind Edels, und verarmte ganz und stand als Bettler auf der Straße, wo Edels jeden Freitag vorbeiging um Fische zu kaufen; Edels gab ihm stets ein Gröschel. Der Bettler sah dies als Verhöhnung an und beschwerte sich beim Gerichte der Altstadt, welches dann Edels verbot, durch diese Gasse zu gehen, solange der Bettler dort stehe. Zur Erinnerung an seine Errettung verfügte R. Josua Edels, daß seine Nachkommen am Neumonde des Schewat nur Erbsen und Heringe zum Mittagmahle essen dürfen, am 7. Schewat aber einen Purim halten und Gott preisen sollen ob seiner großen Gnade. Die Begebenheit hatte sich zugetragen im Jahre 406 (1646). 3 309

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.