Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 314)
- Language
- German
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5. Megillath Samuel 1704. 6. Megilla der Familie Jampels.9 Der Inhalt der Megilla ist folgender: Am 23. Ijar 476 (Mai 1716) standen Hirsch Selig Jampels10 und sein Genosse (Kompagnon?) Jakob ben Mendel Rofe11 am Tandelmarkte; sie wurden in das Wirtshaus „Zu den 3 Lilien" gerufen, wo sie von zwei namentlich angeführten Christen einen Rock ehrlich um 1 fl. 45 x. kauften. Nach drei Wochen kauften sie von denselben Leuten ein rotes, mit Gold garniertes Kleid ehrlich um 19 fl., an dem sie 30 xr. und 9 Lot Silber um 10 fl., woran sie 29 xr. verdienten. Am Sabbat, dem 21. Tamus wurden die beiden Verkäufer in die Schachtelei (Gefängnis) der Altstadt gebracht, wo sie aussagten, die Juden hätten die von ihnen gestohlenen Sachen gekauft, obwohl sie gewußt hätten, daß sie aus einem Diebstahl herrühren. In der Nacht darauf wurden Jampels und Rofe aus dem Bette heraus verhaftet, in den Kerker geworfen und trotzdem sie bei den mehrfachen Verhören nicht gestanden, nach siebenwöchigem Kerker zum Galgen verurteilt. Darauf reisten Jampels Frau Mirjam und Rofes Mutter nach Wien, wo sie mit „viel Stadlonus" (Fürsprache Einflußreicher) die Gnade erwirkten, daß die Todesstrafe in dreijährige gemeine Arbeit umgewandelt wurde. Am Freitag, dem 18. Tewes 481 (Januar 1721) wurden sie völlig frei; diesen Tag bestimmte Jampels als Festtag für seine Nachkommen, den 17. Tewes als Fasttag. 7. Povidelpurim.12 Im Laden des David Brandeis in Jungbunzlau kaufte im Jahre 1731 ein christliches Mädchen Povidel (Pflaumenmus). Ihr Vater, ein Buchbinder, starb, nachdem er davon gegessen hatte und man behauptete, auch die übrigen Familienmitglieder seien nach dem Genüsse der Povidel erkrankt. Darauf wurden Brandeis und seine Frau verhaftet und erst in Freiheit gesetzt, als sich herausgestellt hatte, daß der Buchbinder eines natürlichen Todes gestorben sei. Brandeis schrieb dann eine Megilla mit dem Titel „schir hamaaloth ledavid", in der er seinen Nachkommen befahl, den 10. Adar als Tag seiner Freilassung alljährlich festlich zu begehen und an ihm diese Megilla zu lesen. 8. Megilla der Familie Brod.13 Am Montag dem 16. Siwan 5492 (9. Juni 1732) wurde der Schuster Löbl fälschlich beschuldigt, einen christlichen Knaben mißhandelt zu 310 4