Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 312)
- Language
- German
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II. Familienfeste und Megilloth, soweit sie sich auf Prag und Böhmen beziehen. 1. Vorhangpurim (Firhengpurim)? Im Jahre 1623 wurden dem Fürsten Dietrichstein kostbare Vorhänge gestohlen. Auf die Verlautbarung in den Synagogen brachte sie der Käufer dem Schamesch der Meiselsynagoge Chanoch Altschul4 in seiner Eigenschaft als Notär (schamesch neeman), der sie dem Eigentümer zurückstellte, sich aber weigerte, dem Befehl des Statthalters zu folgen und den Käufer zu nennen. Dadurch geriet er in schwere Lebensgefahr, aus der er nur gegen ein Lösegeld von 10.000 Gulden befreit wurde. Zur Erinnerung schrieb er seine Erlebnisse in Form einer Megilla, und setzte darin den Tag seiner Befreiung, den 22. Tewes für seine Nachkommen als Purim fest. 2. Tossafot Jomtob Purim (Megillath Eba)? Der Purim am 1. Adar eingesetzt 1630 von R. Jomtob Lipman Heller, dem Verfasser des Tossafosjomtob anläßlich seiner endgültigen Rehabilitierung.6 3. Megillath Ofen.1 Isak, Sohn des Prager Oberjuristen R. Salman R. Moscheis Schulhof des Leviten,8 geriet bei der Belagerung Ofens 1686 in andauernde Lebensgefahr, aus der er auf schier wunderbare Weise gerettet wurde. Zur Erinnerung daran bestimmte er den 13. Elul für seine Nachkommen als Fasttag, den 14. Elul als Festtag, an dem die Geschichte seiner Errettung aus der von ihm geschriebenen Megilla gelesen werden sollte. 4. Megilla der Familie Bäsch Edels.** Josua Edels hatte sein Geschäft, einen Bierausschank, an der Ecke der Rawgasse (Rowsgässel, Rabbinergasse), er wollte sein Haus, das nur ein Stockwerk hatte, um zwei Stockwerke erhöhen. Der Baumeister stellte ihn nicht zufrieden. Es kam zu Streitigkeiten. Edels hatte einen Bleikrug, auf dessen Boden ein Heiligenbild war; dies gab den Anlaß zu einer von einem Juden veranlaßten Denunziation. Dieser Jude, namens Jokl, war ursprünglich bei Edels angestellt gewesen, hatte dann aber selbständig in der Nähe einen Bierausschank eröffnet. Die Geistlichkeit und der Baumeister — der diese Denunziation tatkräftig unterstützt 308 2