Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 311)
- Language
- German
- Belongs to
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Megillath Samuel Von S. H. Lieben Einleitung I. Es ist dem Einzelnen wie der Gemeinschaft vom Religionsgesetze geboten, der ihnen erwiesenen Wunder und Zeichen dankbar zu gedenken.1 Daß diese Erinnerung sich nicht nur auf Wunder und Zeichen beziehen soll, daß die Dankespflicht viel weiter geht, erfahren wir aus dem Epilog, den Chaim Boskowitz seinem Pentateuchkommentar Tozeoth Chajim beifügte.2 Chaim Boskowitz als Sohn eines Vaters aus Boskowitz in Jerusalem geboren, kehrte als gereifter Mann nach der mährischen Heimat seines Vaters zurück, wo er mehrere Jahre verlebte, um dann nach einem längeren Aufenthalt in Amsterdam sich endgültig in seiner Geburtsstadt Jerusalem niederzulassen; er ist also ein Mann, der überall herumgekommen ist, die Bräuche aller Länder kennt. Nun sagt er in diesem Epiloge: „Allgemein bekannt ist der Brauch, daß, wenn jemand den Bau seines Hauses glücklich beendet, er sich darob so freut, die Vollendung erlebt zu haben, daß er diesen Tag zur Erinnerung bestimmt für die spätesten Geschlechter und den Tag der Vollendung des Baues zu einem alljährlichen Tage des Gastmahls und der Freude festsetzt, zu einem Familienfeste*Und wenn auch jetzt dieser Brauch ziemlich unbekannt ist, so ist wohl kein Zweifel darüber, daß er bestanden, ein beredter Zeuge für die Stärke des Gefühls der Dankbarkeit für etwas Gutes. Und dieses wohl weit über die religiöse Vorschrift hinausgehende dankbare Gedenken hat auch mancherlei Spuren in der jüdischen Literatur zurückgelassen. Gar zahlreich sind die privaten Fest- und Gedenktage, die einzelne Familien dem Wunsche ihrer Ahnen gemäß zur Erinnerung an der Ahnen glückliche, oft wunderbare Errettung aus Not und Todesgefahr feiern. Und diese Tage wurden zumeist, dem einzigen ungebundenen lustigen Feste analog, Purim genannt, ihre Stiftungsurkunde, dementsprechend Megilla, ja oft sogar in Rollenform, wie das Urbild, die Estherrolle, geschrieben. In folgendem seien nun diese Festtage Purim und Megilloth, soweit sie sich auf Prag und Böhmen beziehen, angeführt und soweit sie schon veröffentlicht sind, ganz kurz, die übrigen etwas ausführlicher besprochen, um dann die dem Inhalt und Umfange nach zu den bedeutenderen gehörende Megillath-Samuel ganz wiederzugeben. l 307