Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 297)
- Language
- German
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Am 16. Juli 1703 wurde ihnen, nach Entrichtung von zwei Schock Meissen, gestattet, beim Friedhof eine „Chaluppe" im Flächenausmaße von 8 mal 17 Ellen zu erbauen. Die jährliche Zinsenleistung sollte nunmehr „für ewig" statt 20 m. Gr. 30 betragen, womit sich die Skalitzer Juden einverstanden erklärten. Wie bereits erwähnt, hatte die Nachoder Herrschaft den Skalitzer Juden zwei Häuser als Wohnstätten erbauen lassen, wofür sie die jährlichen Mieten regelmäßig entrichteten. Im Jahre 1703 ließ Fürst Laurenz Piccolomini de Arragona, Herzog zu Amalfi, den Skalitzer Juden sagen, sie müßten ihm die beiden Häuser für 260 fl. abkaufen, sonst würden sie in Skalitz nicht mehr geduldet werden. Der Preis für die alten, bereits abgenützten Häuser war sicherlich zu hoch gegriffen, dennoch erklärten sich die Juden bereit, die Häuser abzukaufen. Da es für die Juden nicht leicht war, eine so hohe Summe gleich aufzubringen, bezahlten sie dem Fürsten vorerst 100 fl., und versprachen die übrigen 160 fl. zu einem späteren Zeitpunkte abzustatten. Die ihnen gestellte Frist zur Bezahlung der restlichen 160 fl. haben sie jedoch nicht eingehalten. Als sie dann, etwa drei bis vier Wochen verspätet, im Sommer 1704, dem Fürsten die 160 fl. bezahlen wollten, nahm er sie nicht mehr an. Zu Beginn des Jahres 1705 brach dann plötzlich die Katastrophe über die Skalitzer Juden heran. Fürst Lorenz Piccolomini ließ ihnen verkünden, daß alle Juden bis zu St. Georgi unwiderruflich das Stadtgebiet verlassen müßten, sonst würden sie mit Gewalt hinausgejagt werden. Ein triftiger Grund wurde hiefür nicht angegeben. Diese Botschaft rief bei den Juden eine ungeheure Bestürzung hervor. Sie unternahmen alle nur möglichen Schritte, um den Fürsten zur Zurücknahme des Ausweisungsbefehles zu veranlassen; alle Bitten der Juden, sowie jede Fürsprache bei dem Fürsten war vergeblich. Die Skalitzer Juden wandten sich daher an die Delegierten der böhm. Landesjudenschaft, bei den Staatsbehörden für die Wahrung ihres Rechtes einzutreten. Isak Chlumnitzky aus Kolin als Primator und Wolf Skolken (Benjamin Wolf Poppers) als Deputierter48 der Landesjudenschaft unternahmen am 20. März 1705 in einer Zuschrift an die Statthalterei die ersten Schritte für die bedrohten Juden in Skalitz. Die Vertreibung der Skalitzer Juden, führen sie an, würde sich auf die ohnehin schwierige und komplizierte Kontributionsaufteilung katastrophal auswirken. Die Skalitzer Juden hätten bisher ihre Kontribution regelmäßig bezahlt, falle nun dieser Betrag weg, müßte er auf die übrigen Juden Böhmens aufgeteilt werden, was diesen gegenwärtig nicht zuzumuten sei, da sie ohnehin durch die verliehene Perpetuität außerordentliche Zahlungen zu leisten hätten. Die neue Quote würde zerstört werden und ein Chaos müßte entstehen. Aber auch rechtliche und menschliche Gründe sprächen 292 22