Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 287)
- Language
- German
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mehr als die bewilligte Anzahl erbaut werden und ersuchte die Fürstin, den Juden keineswegs mehr als die zehn Häuser zu erlauben. Dementsprechend lehnte die Fürstin die Bittgesuche der Juden ab, namentlich das des Jacob Kalme. An Stelle des Zacharias Lazar bauten die Ältesten der Judengemeinde ein Gemeindehaus, worin sich auch die Wohnungen für den Rabbiner und den Kantor befanden. In der Befürchtung, die Juden könnten einmal die leergebliebenen Baustellen in der Judengasse für Neubauten verwenden, ersuchte der Stadtrat am 20. Juni 1667 die Fürstin, diese freien Bauplätze der Stadtgemeinde zu überlassen, um daselbst „Nachbarn und Handwerksleuten" anzusiedeln. Als die Fürstin dies ablehnte, versuchte der Stadtrat die Juden durch Aufbürdung neuer Pflichten in ihrem Baue zu behindern. Die Juden mußten sich in einem Revers vom 10. Oktober 1667 der Fürstin gegenüber verpflichten, „daß sie alles, was das Stadtrecht vorschreibt, ferner auch die ihnen neuauferlegten Pflichten, erfüllen werden". Nach Übernahme dieser Verpflichtungen schrieb die Fürstin am 17. Oktober 1667 an den Bürgermeister und Rat der Stadt Nachod, „daß sie der Judenschaft beim Baue der ihr bewilligten 10 Häuser und einer jüdischen Kirche keine Hindernisse in den Weg legen sollen". Kurz darauf, am 11. November 1667, beklagt sich der Stadtrat bei der Fürstin, die Juden würden ihm kein Gehorsam leisten und sich seinen Anordnungen widersetzen. Gleichzeitig bittet der Stadtrat, dem Juden Hersehl die leergebliebene Baustelle nach Elias Bresnitz nicht zu überlassen. Genau so wie während des Baues wohnten auch nach Fertigstellung der 10 Judenhäuser viele Juden in Christenhäusern gegen Bezahlung hoher Mietzinse. Außerdem zogen dauernd fremde Juden nach Nachod, so daß ohne jeden Konsens viel mehr Juden in Nachod lebten, als ursprünglich vorgesehen war. Die Fürstin sah mit Unwillen den Zuwachs der Juden aus der Fremde und befürchtete einen starken Zuzug der jüdischen Exulanten aus Wien und Niederösterreich, so daß in Nachod noch mehr Juden als vor der Feuersbrunst sein würden. Am 13. Feber und am 8. März 1670 ließ sie daher durch den Fürsten-Richter in der Nachoder Synagoge amtlich publizieren, daß sie den Entschluß gefaßt habe, alle ohne fürstlichen Konsens in Nachod und in Böhmisch-Skalitz sich aufhaltende Juden abzuschaffen. Die Nachoder und Skalitzer Juden flehten und baten unaufhörlich die Fürstin, alle gegenwärtig in beiden Städten wohnhaften Juden zu dulden und für Gegenleistungen in Schutz zu nehmen. Nachdem sich auch „vornehme" Fürsprecher für die Juden eingesetzt hatten, ließ sich die Fürstin herbei, mit den Juden abermals in Unterhandlungen zu treten, die am 8. April 1670 zum Abschluß gelangten. Es wurde ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem die Juden größere finanzielle Opfer zu bringen hatten und wirtschaftlich 282 12