Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 277)
- Language
- German
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Namens. Er ist verurteilt worden zu zwei unnatürlichen und schweren Todesarten. Als er zur Richtstätte geführt wurde, leuchtete sein Antlitz, wie der Glanz der göttlichen Majestät. Und er hat sich mit Liebe der von der himmlischen Gewalt auferlegten Prüfung unterworfen. Er hielt beim Worte „Echad" so lange an, bis er seine Seele in Reinheit aushauchte.14 Sein Verdienst stehe uns bei. Wehe uns, daß wir dieses Leid mitansehen mußten. Führe uns bald zurück nach Zion, in unsere Stadt, wie einstmals. Schaue, Ewiger, auf unser Elend, denn vielfach sind unsere Schmerzen. Du hast uns gestraft mit den Leiden der Eltern an den Kindern. Möchte uns der Heilige, gelobt sei er, Zeichen und Wunder erweisen. Wir waren Zeugen auch dieser mannigfachen Leiden, nämlich als das Feuer bei den Juden in unseren Straßen ausbrach, und wir, damit die Nichtjuden uns nicht ins Feuer werfen, unsere ganze Habe zurücklassen und unsere Leiber durch Flucht aus der Stadt retten mußten. Die Wohltaten Gottes sind aber nicht zu Ende, rette unseren Rest vor den Völkern, du bist ja der Ewige, so oft wir dich anrufen. Sage, genug! zu unseren Leiden, und unser Herz erfreue sich in Bälde. Und sende uns den Messias, bald in unseren Tagen. Amen. (Vergleiche den beiliegenden hebräischen Text.) Brände von solchem Ausmaße waren in früheren Jahrhunderten keine Seltenheit.15 Sie entstanden oft durch eine kleine Unvorsichtigkeit und fanden bei den zumeist aus Holz gebauten Häusern reichliche Nahrung. Zumeist wurde auch eine Person ausfindig gemacht, die der Brandstiftung beschuldigt wurde und dann, wie in unserem Falle, für den Schaden mit dem Tode zu büßen hatte. Bei unserem Brande war die Sachlage jedoch viel schwieriger, weil eben alle Juden für den unverschuldeten Schaden verantwortlich gemacht wurden. Davon zeugt eine noch heute erhaltene Inschrift auf einer der zwei Glocken, die sich im Turme der St.-Lorenz-Kirche auf dem Ring zu Nachod befinden und von der Fürstin Maria Benigna Piccolomini, geborenen Herzogin von Sachsen, Engern und Westphalen, nach dem Brande vom Jahre 1663 gespendet wurden. Auf der einen steht:16 ,,Anno 1663 die 17. Maji omnis spiritus laudet dominum Halleluja." Auf der anderen steht: „Ich schmelzte als die Stadt Nachod im Feuer verbrand, Welches von der lossen Rott der Juden her entstand, Daß ich nun kann zu Gottes Ehre wieder klingen, Ließ mich in diesen Stand eine Fürstin wiederbringen." Darunter befindet sich das fürstlich Piccolominische Wappen mit der Inschrift: „Maria Benigna verwittibte Fürstin Piccolomini de Arragona, geborene Herzogin zu Sachsen." 276 6