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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 275

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 275 (sequence 276)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--4078-2648427
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Verhängnis nieder und die Stadt wurde in einer Stunde vollständig eingeäschert. Wegen unserer Sünden und Vergehen brannte die Synagoge, unser Gotteshaus, nieder. Es entstand ein großes Geschrei; unser Bethaus ist vernichtet, das Haus unserer Pracht ist zerstört worden! es war so, als wäre der heilige Tempel in unseren Tagen zu Grunde gegangen. Laßt Herz und Hände erheben zu Gott im Himmel, ob der heiligen Kleider, die verbrannt wurden, und der heiligen Geräte aus Silber und Gold, derengleichen an Schönheit es in unserem ganzen Lande nicht gab. Gefallen ist die Krone von unserem Haupte. Wehe uns, daß wir gesündigt haben. Darüber ist unser Herz siech geworden, daß alle unsere Häuser niederbrannten, Häuser, die in Flammen standen, einhundertachtundzwanzig an Zahl. Eine Beute sind wir geworden und finden keine Ruhestätte. Die Mütter suchen und fragen, wo sind unsere Kinder und die Kinder fragten, wo sind unsere Mütter. Darüber weinen wir und von unseren Augen fließen Tränen, daß zwei Thorarollen vernichtet wurden, während drei andere nackt und bloß gerettet werden konnten. Darüber erschauert jeder und bricht in Klage, Weinen und Wehgeschrei aus, daß über uns dieser Fluch gekommen ist: Sechzehn Menschenkinder sind es, Kinder und Frauen, die ihr Leben geopfert haben zur Heiligung seines Namens. Glühende Kohlen brannten in ihnen und sie starben eines unnatürlichen und schweren Todes, sie hauchten ihre Seele aus in Heiligkeit und Reinheit. Ich gedenke ihrer mit Namen: die edle Frau Breindl mit ihren sechs Kindern, die edle Frau Tischel, die edle Frau Sarah aus Reichenau, die edle Frau Rösel mit der Tochter des Paltiel, ihrer Enkelin, und mit anderen Kindern, der Herr David, der Levite und die erwachsene Jungfrau, die Braut. Gar sehr bestürzt war unsere Seele, in einem gemeinsamen Grabe sind alle bestattet worden. Schwarz war ihr Fleisch und ihre Haut, verkohlt ihr Antlitz. Wehe uns, daß wir dieses Leid sehen mußten, es schrieen die Mütter mit herzzerreißender Stimme: mein Kind, wo bist du? Sie erkannte es nicht, da es durch die Feuersglut verkohlt war. Sie rannten und flohen in das Haus neben dem Tore, dort sah man ein großes Leid. Fünf Personen waren im Keller versteckt und verborgen, zwei Männer und drei Frauen. Weil sie nicht lassen wollten ihre Habe und ihr Vermögen, stieg Dampf und Rauch in ihre Kehle. Drei von ihnen wurden gerettet, doch zwei starben acht Tage darauf. Der eine war der Gelehrte R. Jehuda, Sohn des R. Elijakum, ein gottesfürchtiger Mann, und die andere war die edle Frau Rele, deren Tugenden in der ganzen Gemeinde gelobt wurden. Ihnen gesellt sich der Heilige (Märtyrer) und Reine, der Jüngling Zewi (Hirsch), der Levite, Sohn des Elijahu, des Leviten, der standhaft blieb und sein Leben opferte für die Heiligung des göttlichen 275

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