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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 274

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 274 (sequence 275)
Language
German
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IRI
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wurden und nur als verkohlte Leichen geborgen werden konnten. Die Synagoge mit den darin befindlichen zwei Thorarollen, prachtvollen Paramenten und kostbaren Geräten aus Silber und Gold, 128 Häuser der Stadt, darunter alle Judenhäuser, und eine Kirche brannten vollständig nieder. Nur Bruchstücke der Habseligkeiten und drei Thorarollen konnten unter Lebensgefahr gerettet werden. Fünf Juden, die ihr Vermögen zu retten versuchten, erlitten in einem Keller so schwere Brandwunden, daß zwei von ihnen nach einer Woche ihren Wunden erlagen. Bei und nach dem Feuer spielten sich erschütternde Szenen ab; wie wahnsinnig liefen die jüdischen Mütter einher und suchten ihre verlorenen Kinder, während die umherirrenden Kinder ihre Mütter suchten. Wie gewaltig die Feuerglut gewesen sein muß, geht schon daraus hervor, daß selbst die Kirchenglocken zerschmolzen. Bei Ausbruch des Brandes war der größte Teil der jüdischen Männer Nachods, darunter auch Elias Bresnitz, auf dem Jahrmarkte in Jaromef. Als sie nach Hause kamen, fanden sie nur noch eine Unglücksstätte vor, die mit einer gegen die Juden aufgebrachte Menge erfüllt war. Elias Bresnitz, bei dem der Brand ausgebrochen war, wurde der Brandstiftung beschuldigt und zur Verantwortung gezogen. Vergeblich versuchte er nachzuweisen, daß seine Feinde in seiner Abwesenheit aus Rache das Feuer in seinem Hause gelegt hätten. Die Beteuerung seiner Unschuld, sein Klagen und Jammern konnte ihn nicht vor einem tieferschütternden Ungemach retten. Sein Sohn Zewi Hirsch, noch jung an Jahren, der beim Feuerausbruch zu Hause war, wurde wegen Brandstiftung zum Tode verurteilt und öffentlich hingerichtet.11 Der Haß der christlichen Bevölkerung richtete sich jedoch gegen alle Juden, die sie für die hereingebrochene Katastrophe verantwortlich machten, so daß diese das Ärgste befürchteten und es für ratsam hielten, aus Nachod zu fliehen und bei den Bewohnern der umliegenden Ortschaften Zuflucht zu suchen. Eine Schilderung dieser großen Brandkatastrophe gibt uns ein bis jetzt erhaltenes Seelen- und Bußgebet, das für die Opfer des Brandes bis in die neueste Zeit in der Nachoder Synagoge verrichtet wurde. Der Inhalt dieses hebräischen Seelengebetes,12 ein Dokument der Zeit, lautet in der Übersetzung: Gott der Erbarmungsvolle, der in den Höhen thront, er gedenke in Barmherzigkeit der Heiligen, die nackt gefunden wurden, der Frommen und Vollkommenen, die ihr Leben geopfert haben zur Heiligung seines Namens, dieser Geliebten und Sanften. Am Donnerstag im Monate Ijar, den zehnten des Monates, entstand eine Feuersbrunst in der Stadt Nachod, in unserer heiligen Gemeinde, im Jahre fünftausend vierhundertundzwanzig13 der Schöpfung. Da ging vom Himmel das 274 4

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